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Streitigkeiten über das historische Gedächtnis in Südpatagonien, Argentinien: zwischen öffentlicher Rede und dokumentarischen Fiktionen (1983-2023)
Antragsteller
Dr. Lisandro Relva
Fachliche Zuordnung
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 563171639
Dieses Projekt zielt darauf ab, die Konflikte um das historische Gedächtnis zwischen öffentlichem Diskurs (lokale Presse und politische Reden) und dokumentarischen Fiktionen zu untersuchen, die sich in einer Reihe öffentlicher und privater Archive der Provinz Santa Cruz im argentinischen Patagonien im Zeitraum von der Wiederherstellung der Demokratie (1983) bis heute finden lassen. Dieser Zeitraum entspricht den 40 Jahren ununterbrochener Demokratie in Argentinien. Der Begriff „dokumentarische Fiktionen“ umfasst einerseits die textliche Produktion lokaler historiografischer Forschung in einem historischen Moment der disziplinären Konsolidierung, in dem die Auseinandersetzung um die Konstruktion (und legitime Aneignung) der Vergangenheit der Region (insbesondere ihrer multiplen Geschichten) ausgetragen wird. Andererseits bezieht sich der Begriff auf eine Gruppe literarischer Werke, die auf der Grundlage vorangegangener dokumentarischer Forschungen über Südpatagonien und durch die Präsentation ihrer Inhalte als „faktisch“ eine Zwischenposition zwischen Fiktion und Geschichte einnehmen. Das derzeitige, noch erweiterbare Korpus umfasst die Werke „Fuegia“ von Eduardo Belgrano Rawson (1991), „La tierra del fuego“ von Sylvia Iparraguirre (1998), „Los suicidas del fin del mundo“ von Leila Guerriero (2005) und „La jaula de los onas“ von Carlos Gamerro (2021). Das erste Hauptziel besteht darin, das erste digitale Archiv Südpatagoniens zu erstellen, das auf der Grundlage interdisziplinärer Forschung und unter Einsatz verschiedener Methoden der Digital Humanities dazu dienen soll, die in und über die Region vorhandenen Dokumentensammlungen zu kartieren, miteinander zu verbinden, zu visualisieren und zu reproduzieren. Ziel ist es, die Komplexität und Vielfalt kollektiver Erinnerungen (vor allem der Siedler sowie der Tehuelche- und Mapuche-Gemeinschaften), die im Zeitraum 1983–2023 in der Region miteinander interagieren, sichtbar zu machen. Das zweite Hauptziel ist die Publikation eines Buches in einem Wissenschafts-Verlag, das die Konflikte um das historische Gedächtnis in Südpatagonien seit der Wiederherstellung der Demokratie in Argentinien diskutiert. Das Buch wird die Geschichte und die geopolitische Gegenwart Südpatagoniens aus einer multidiskursiven Perspektive analysieren, wobei besonderes Augenmerk auf die interethnischen Dynamiken und die doppelte Konstruktion der Region – einerseits als Teil des argentinischen Nationalstaats, andererseits als eine autonome, zwischen Chile und Argentinien entstehende Region – gelegt wird.
DFG-Verfahren
WBP Stelle
