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AI in the Sky. Die Infrastrukturierung des Erdorbits, planetarische Wahrnehmung und digitale Zwillinge der Erde

Fachliche Zuordnung Theater- und Medienwissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 563507000
 
Übergreifendes Ziel des Vorhabens ist es, durch exemplarische medienethnografische Laborforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und an weiteren ausgewählten Standorten des Copernicus-Erdbeobachtungsprogramms in Kombination mit einer Dispositiv- und Nutzungsanalyse von geomedialen Plattformen wie Destination Earth (DestinE), die Daten zur Entwicklung von Simulationsmodellen, sog. digitalen Zwillingen, der Erde versammeln, im Fachgebiet der Medienwissenschaft einen neuen theoretisch-methodischen Ansatz zu entwickeln. Konkret bedeutet dies, zu erkunden, wie und zu welchem Zweck Maschinelles Lernen in der Satellitensteuerung und der Auswertung von Geodaten eingesetzt wird, um die Frage zu beantworten, wie derartige Medientechniken Erkenntnisse über die planetare Klimaentwicklung generieren. Die These lautet, dass das durch Sensortechnik und Maschinelles Lernen in der Fernerkundung hervorgebrachte Wissen nicht allein die Hypervisibilität und Kalkulierbarkeit planetarischer Phänomene vortäuscht, sondern dass es zudem um eine black box herum organisiert ist. Die vorwiegend automatisierten Infrastrukturen der Datenerhebung und -analyse klammern menschliche Wahrnehmungs- und Erkenntnisleistungen zugunsten eines Berechenbarkeits- und Prognostikphantasmas aus bzw. verbannen das menschliche Erkennen an den Anfang – die Konzeptionsphase – und das Ende – die Interpretationsphase – des Erkenntnisprozesses. Erstes Teilziel des Vorhabens ist es, die Infrastrukturen und Medientechniken der planetarischen Wahrnehmung zu erforschen, um das Verhältnis zwischen dem Sensiblen und dem Intelligiblen über eine Erörterung der Wechselwirkungen zwischen der Ästhetik und der Epistemologie von Satellitenbildern und Lernalgorithmen näher zu bestimmen. Ausgehend von der Einsicht, dass Sensing und Sense-Making hier auseinanderdriften, soll ein mittlerer Weg zwischen einer Medienepistemologie, die Künstliche Intelligenz (KI) als Ideologie versteht, und einer Medienepistemologie, die auf KI als Klassifikationswerkzeug fokussiert, erkundet werden. Zweites Teilziel ist es herauszuarbeiten, welche Weltsichten die digitalen Zwillinge der Erde, die unterschiedliche, thematisch ausgerichtete Zukunftsszenarien simulieren, verstärken oder unterwandern. Dazu gilt es zu ermitteln, was durch die Suggestion einer planetarischen Übersicht wahrnehmbar und was unwahrnehmbar wird und welche Konsequenzen sich daraus für das Selbst-Welt-Verhältnis ergeben. Die These lautet, dass die Ästhetik des Allsichtbaren, die Simulationsmodelle der Erde vorspiegeln, den Sinn für das Nichtsichtbare anästhetisiert. Das dritte Teilziel ist es aufzuweisen, welchen Mehrwert eine praxeologisch-mikroanalytische Zugangsweise für die medienwissenschaftliche Theoriebildung erbringt. Dazu sollen die empirisch gewonnenen Einsichten in die sensorisch-ästhetischen Praktiken der Fernerkundung an die epistemologische Reflexion der sich in den Simulationsmodellen manifestierenden Weltbilder angebunden werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Norwegen
Kooperationspartnerin Professorin Dr. Aurora Hoel
 
 

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