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Erwartbar widersprüchlich: Mit KI das demokratische Denken kartieren
Antragsteller
Professor Dr. Alexander Wuttke
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 563927303
Dieses Forschungsprojekt untersucht Paradoxien in der öffentlichen Meinung zur Demokratie: Obwohl die meisten Menschen Demokratie schätzen, setzen sie sich nicht für die Demokratie ein, wenn sie angegriffen wird; obwohl sie in hochgradig demokratischen Gesellschaften leben, beurteilen die Bürger in westlichen Ländern ihr politisches System nicht besser als die Bürger in unfreien Autokratien; und trotz erheblicher Unterschiede im politischen System können die Menschen nicht zwischen demokratischen und undemokratischen Regimen unterscheiden. Dieses Projekt will die paradoxen und doch vorhersehbaren Einstellungen zur Demokratie verstehen in einer Ära der demokratischen Instabilität. Konzeptionelle und methodische Blindstellen behindern die Forschung zu demokratischen Einstellungen. Standardisierte Umfragen dominieren das Feld, beschränken die Befragten auf vordefinierte Antworten und übersehen die Vielschichtigkeit politischer Einstellungen. Andere Methoden bieten zwar mehr Tiefe, sind aber nicht skalierbar oder länderübergreifend vergleichbar. Dieses Projekt setzt KI-gestützte Tiefeninterviews unter Verwendung von Large Language Models ein, um dynamische Gespräche über Demokratie in großer Fallzahl zu führen. Diese Innovation kombiniert die Skalierbarkeit von Umfragen mit dem Facettenreichtum qualitativer Interviews und ermöglicht es den Befragten, ihre Sicht auf die Demokratie in ihren eigenen Worten auszudrücken. Dieses Projekt kartiert die demokratischen Überzeugungssysteme der Bürger, erfasst die Stärke und Konsistenz ihrer Einstellungen und vergleicht Bürgerperspektiven auf Demokratie mit Expertenperspektiven. Theoretisch untersucht das Projekt, wie kognitive Heuristiken, handfeste Erfahrungen, gruppenbezogene Biases und Ambiguitätstoleranz die öffentliche Meinung zur Demokratie formen. Insbesondere wird untersucht, inwiefern die Einstellungen der Bürger zur Demokratie oberflächlich oder sophistiziert sind, indem ihre interne Konsistenz, kognitive Breite und intertemporale Stabilität abgebildet wird. Die empirischen Ergebnisse werden in einen globalen Kontext gestellt, der sowohl etablierte als auch im Übergang befindliche Demokratien umfasst, und durch experimentelle Tests ergänzt wird. Insgesamt zielt dieses Projekt darauf ab, die öffentliche Meinung zur Demokratie auf methodisch und konzeptionell innovative Weise zu erfassen. Durch den Einsatz moderner KI-Methoden und interdisziplinärer Ansätze testet das Projekt eine Theorie des demokratischen Geistes, die darauf abzielt, die kognitiven Wurzeln der paradoxen Einstellungen der Bürger zur Demokratie und ihre Anfälligkeit für antidemokratische Appelle in einer Zeit demokratischer Instabilität zu verstehen.
DFG-Verfahren
Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
