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Critical Race Theory. Entstehungsgeschichte, Entwicklung, Theoretische Grundlagen

Antragsteller Daniel-Thabani Ncube
Fachliche Zuordnung Öffentliches Recht
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 565062027
 
Das Werk ist die erste deutschsprachige Monografie, die sich eingehend mit der „Critical Race Theory“ (CRT) auseinandersetzt, einer in den 1970er-Jahren an US-law schools entstandenen Denkschule, die das Zusammenspiel von Recht und Rassismus erforscht. Die Arbeit unternimmt hierzu eine Darstellung des sozialen, historischen, politischen und ideengeschichtlichen Entstehungszusammenhangs der CRT sowie deren Entwicklung, setzt sich eingehend mit deren interdisziplinär erarbeiteten und angelegten Überlegungen zu Recht und Rassismus auseinander und verortet die CRT in der gegenwärtigen US-Rechts- und Sozialphilosophie. Anliegen der Arbeit ist es hierbei nicht nur, die CRT anhand von Kontext und zentraler Texte darzustellen, sondern auch Überlegungen zu ihrer Relevanz für den deutschen Kontext anzustellen. Zu diesem Zweck erarbeitet sie abschließend methodische Maßgaben sowie rezeptionsfähige Inhalte und diskutiert, welchen Wert die CRT für die deutsche Sozial- und Rechtstheorie haben könnte. Auf Ebene der Darstellung widmet sich die Arbeit der Entstehungsgeschichte und Entwicklung der CRT. Sie unternimmt hierfür zunächst eine eingehende Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Konzepts der „Rasse“ (race) in den USA sowie dessen Zusammenspiel mit dem Recht bei der Etablierung von Herrschaftsverhältnisse insbesondere zulasten von Afroamerikaner:innen (race-bezogene Herrschaft) vom 19. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Darstellung der Entwicklung der CRT setzt in den 1970er-Jahren ein und beleuchtet zunächst vorherrschende soziale Probleme um race und Recht, bevor sie in die Diskussion verschiedener Gründungstexte der CRT und des zugehörigen ideengeschichtlichen Kontexts übergeht, d.h. insbesondere Überlegungen der sozialphilosophischen Ideologiekritik sowie der Rechts- und Herrschaftskritik der Denkschulen des American Legal Realism und der Critical Legal Studies (CLS). Nach einer Betrachtung des Status quo der US-Gesellschaft der 1980er-Jahre diskutiert die Arbeit weitere bedeutsame Texte der CRT und unternimmt anlässlich der dort ersichtlichen Abkehr von Überlegungen der frühen CRT und der anverwandten CLS eine eingehende Studie der Konsolidierung der CRT als eigenständige Denkschule. Die Darstellung der CRT endet mit einem kursorischen Überblick über ihre weitere Entwicklung bis hin zur Jahrtausendwende und der damit einhergehenden Ausdifferenzierung in neue, konkurrierende Theorieansätze. Die Rekonstruktion der theoretischen Grundlagen der CRT orientiert sich an den erarbeiteten theoretischen Strukturelementen der CRT, also race, die auf race bezogene Herrschaft und das Recht. Race begreift die CRT über den gesamten untersuchten Zeitraum hinweg entweder als objektive Tatsache oder als gesellschaftlich hervorgebrachte Vorstellung. In race-bezogener Herrschaft erkennt die CRT ein Sozialphänomen komplexer Tiefe, das annähernd alle Lebensbereiche strukturiert und aus diesem Grund sowohl kaum wahrgenommen wird als auch eng mit dem sozialen Kontext verflochten ist. Ob sich race-bezogene Herrschaft überwinden lässt, bleibt in der CRT umstritten, ebenso die die Antwort auf die Frage, ob dem Recht insoweit eine nennenswerte Bedeutung zukommt. Während die frühe CRT darin im Wesentlichen ein sozial eingebettetes Herrschaftsinstrument sieht, das gar nicht oder kaum für die Gestaltung des Sozialen von Bedeutung ist, zeigt sich die spätere CRT deutlich transformationsoffener.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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