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Der metaphysische Faktor des psychologischen Essentialismus: Erforschung der Vorläufer und Korrelate des Glaubens an metaphysischen Determinismus.

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 565395935
 
Laientheorien bilden einen zentralen Bestandteil verschiedener psychologischer Theorien. Psychologischer Essentialismus stellt eine besondere Art von Laientheorie dar, wonach Objekte und Lebewesen einen Kern (Essenz) haben, der ihre Eigenschaften (& Verhaltenstendenzen) bestimmt. Es wird angenommen, dass diese Essenz tief im Inneren einer Person (oder Objekts) liegt und alle beobachtbaren Eigenschaften hervorbringt. In bisheriger Forschung wurde die Rolle essentialistischen Denkens in Bezug auf Stereotypisierung/Vorurteile systematisch untersucht. Eine bisher wenig erforschte Frage ist die Differenzierung verschiedener Faktoren essentialistischen Denkens. In diesem Projekt wird eine Unterscheidung von drei Arten des psychologischen Essentialismus vorgenommen, indem die Art der Laientheorie spezifiziert wird, die zur „Erklärung“ des Ursprungs der postulierten Essenz herangezogen wird. Die Laientheorie kann biologisch (Belief in genetic determinism; BGD), sozial (Belief in social determinism; BSD) oder metaphysisch (Belief in metaphysical determinism, BMD) sein. BMD wird als „spiritueller“ Faktor essentialistischer Überzeugungen betrachtet. Er spiegelt eine laienhafte Theorie wider, die einen Erklärungsfaktor anerkennt, der nicht in der physischen Welt verwurzelt ist. Entsprechend wird diese Form essentialistischen Denkens als metaphysisch bezeichnet. In diesem Projekt wird BMD erstmals systematisch getestet, um diesen vernachlässigten Faktor essentialistischen Denkens zu validieren. Nach Abschluss des Projekts werden wir wissen, ob (a) BMD robust mit den identifizierten kognitiven Tendenzen, Grundmotiven und „Konsequenzen“ zusammenhängt, (b) BMD einen kausalen Effekt auf die identifizierten Kriterien hat (Bestrafungstendenzen, Verschwörungsüberzeugungen etc. ), (c) die beobachteten Zusammenhänge inkrementell valide sind (bei Kontrolle für BGD & BSD), (d) die drei Faktoren essentialistischen Denkens zuverlässig unterschieden werden können, und (e) die beobachteten Zusammenhänge und kausalen Effekte über verschiedene soziokulturelle Kontexte hinweg robust sind, d.h. über Länder mit christlichem (Deutschland), buddhistischem/schintoistischem (Japan) und muslimischem (Türkei) religiösem Hintergrund und mit unterschiedlichen Ausprägungen von Individualismus-Kollektivismus bzw. Tightness-Looseness. Insgesamt trägt das vorliegende Projekt zu einem Erkenntnisgewinn über psychologischen Essentialismus bei, wobei der metaphysische Faktor im Vordergrund steht. Das Arbeitsprogramm konzentriert sich auf die Analyse des Zusammenhangs von BMD (im Vergleich zu BGD & BSD) mit grundlegenden Motiven, spezifischen kognitiven Tendenzen und Korrelaten, wobei sowohl interindividuelle Unterschiede betrachtet werden als auch eine experimentelle Perspektive eingenommen wird. Alle Studien werden vor der Datenerhebung präregistriert. Um die Robustheit und Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse zu prüfen, werden Replikationsstudien in zwei Ländern (Japan & Türkei) durchgeführt.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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