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Die armenische Liturgie zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten: Nerses von Lambron (1153–1198) als Fallstudie interkultureller Begegnung

Antragsteller Dr. Arman Shokhikyan
Fachliche Zuordnung Katholische Theologie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566322475
 
Dieses Projekt untersucht die liturgische und theologische Synthese, die Nerses von Lambron (1153–1198), eine zentrale Figur des mittelalterlichen armenischen Christentums, im Kontext interkultureller Begegnungen zwischen dem lateinischen Westen und dem byzantinischen Osten erreichte. Seine Erklärung der Göttlichen Liturgie bietet eine reiche, jedoch bislang wenig erforschte Fallstudie dazu, wie liturgische Praktiken theologische Innovationen und die Aushandlung von Identität in der multikonfessionellen Welt des kilikischen Königreichs förderten. Im Spannungsfeld armenischer, byzantinischer und lateinischer Traditionen untersucht diese Studie die einzigartige Synthese liturgischer Elemente, die Nerses entwickelte. Sein Kommentar integriert byzantinische liturgische Formen (die Prothesis und Synaxis), bewahrt jedoch charakteristisch armenische theologische Merkmale wie das christologische Trisagion und die Anaphora des Athanasius. Das Projekt beleuchtet, wie Nerses Quellen wie die theologische Mystik des Dionysius und lateinische kirchliche Traditionen adaptierte und ein liturgisches Konzept schuf, das sowohl theologische Tiefe als auch kulturelle Diplomatie widerspiegelt. Mittels eines dualen hermeneutischen Ansatzes untersucht die Forschung sowohl den historischen Kontext von Nerses’ Werk als auch die theologische Welt, die er damit konstruierte. Durch die Analyse von Primärquellen, darunter die Ausgaben von Venedig (1847) und Jerusalem (1842) seiner Erklärung der Göttlichen Liturgie, verortet das Projekt seine liturgischen Innovationen in der spezifischen historischen und theologischen Entwicklung des armenischen Eucharistieritus. Ein vergleichender Ansatz mit byzantinischen Texten wie dem Dionysischen Corpus über himmlische und kirchliche Hierarchien, Maximus dem Bekenner, den Dialogen Gregors des Großen und romano-fränkischen liturgischen Praktiken verdeutlicht, wie Nerses patristische und liturgische Elemente zu einer kohärenten Synthese verband, die den interkulturellen Herausforderungen seiner Zeit gerecht wurde. Diese Studie schließt eine bedeutende Forschungslücke in der liturgischen Wissenschaft, indem sie Einblicke in das Zusammenspiel von liturgischer Reform, theologischer Adaption und kultureller Identität bietet. Die Ergebnisse tragen zu umfassenderen Diskussionen über interkulturellen theologischen Austausch und die dynamische Rolle der Liturgie in der Gestaltung mittelalterlichen christlichen Denkens und Handelns bei.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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