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„Das Kind im Mittelpunkt“: Konfligierende Interessen und Verpflichtungen in pädiatrischen Entscheidungen ethisch gut begründet abwägen

Antragstellerin Dr. Anna Hirsch
Fachliche Zuordnung Praktische Philosophie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566343405
 
Behandlungsentscheidungen in der Pädiatrie sind mit einer Vielzahl unterschiedlicher ethischer Konflikte verbunden, die sich häufig von jenen in der Erwachsenenmedizin unterscheiden. Konflikte können zwischen den Interessen und Werten der beteiligten Parteien, zwischen unterschiedlichen ethischen Verpflichtungen (gegenüber dem Kind, den Eltern, anderen Patient*innen usw.) und zwischen unterschiedlichen Interpretationen des Kindeswohls auftreten. Noch bevor Kinder entscheidungsfähig sind, haben sie eine eigene Sicht auf ihr Wohlergehen. In pädiatrischen Entscheidungen müssen folglich in der Regel mindestens drei Perspektiven auf das Kindeswohl berücksichtigt werden: die Perspektive des Kindes, jene der Eltern und jene des Behandlungsteams. Nach wie vor ist nicht hinreichend geklärt, wie die unterschiedlichen Perspektiven auf das Kindeswohl, konfligierende Interessen, Werte und Verpflichtungen zu gewichten sind. Aktuelle Debatten, unter anderem über geschlechtsangleichende Therapien und das Impfen von Kindern, unterstreichen die Bedeutung des Themas. Wie können wir auf ethisch gut begründete Weise mit Konflikten in der pädiatrischen Entscheidungsfindung umgehen? Wie kann sichergestellt werden, dass die Perspektive des Kindes nicht vernachlässigt wird? Welche Aspekte des Kindeswohls sollten berücksichtigt werden und wie verhalten sie sich zueinander und zur (sich entwickelnden) Autonomie des Kindes? Wie kann die Abwägung konfligierender Interessen und ethischer Verpflichtungen in pädiatrischen Entscheidungen besser unterstützt werden? Ziel des Projektes ist es, zur Beantwortung dieser Fragen beizutragen. Es geht von der Annahme aus, dass ein differenzierter Abwägungsrahmen dabei helfen kann, mit pädiatrischen Entscheidungskonflikten auf ethisch gut begründete Weise umzugehen. Die Entwicklung dieses Rahmens setzt sowohl die Kenntnis tatsächlicher Konfliktkonstellationen als auch die Analyse relevanter ethischer Konzepte, wie z.B. des Kindeswohls, voraus. Eine weitere Annahme ist, dass die subjektive Wohlergehensperspektive und die sich entwickelnde Autonomie von Kindern früher und stärker zu beachten sind, als dies üblicherweise der Fall ist. Durch eine systematische Analyse von Gerichtsentscheidungen werde ich Konfliktkonstellationen im Kontext pädiatrischer Entscheidungen identifizieren. Die Analyse wird auch offenlegen, in welchen Situationen eine differenzierte Berücksichtigung des Kindeswohls und der sich entwickelnden Autonomie des Kindes erforderlich ist. Unter Rückgriff auf ausgewählte philosophische Theorien werde ich zu berücksichtigende Aspekte des Kindeswohls und der sich entwickelnden Autonomie des Kindes aufzeigen. Durch die Kombination der Ergebnisse der Fallanalyse und der philosophisch-konzeptionellen Analyse werde ich dann einen Abwägungsrahmen entwickeln, der in Konflikten als Orientierungshilfe dienen kann, indem er auf ethisch relevante Aspekte bei der Gewichtung konfligierender Interessen und ethischer Verpflichtungen verweist.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Kanada
 
 

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