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Reframing Multilingualism: Mehrsprachige Erfahrungen und mehrsprachige Repertoires von Kindern mit Hörbehinderung im Kontext der Migration in Deutschland und Großbritannien
Antragstellerin
Professorin Dr. Nicole Marx
Fachliche Zuordnung
Angewandte Sprachwissenschaften, Computerlinguistik
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566399757
Das Projekt untersucht den Spracherwerb mehrsprachiger gehörloser und schwerhöriger (DHH) Kinder in Kontexten der Migration. Es analysiert individuelle mehrsprachige Repertoires, deren Entwicklung sowie kontextuelle Einflussfaktoren diesbezüglich. International konzentriert sich die Mehrsprachigkeitsforschung bisher vor allem auf hörende, nicht immigrierte Individuen mit hoher Sprachenwahlfreiheit (language agency). Dies führt zu einer verzerrten Sicht auf Mehrsprachigkeit, Sprachenwahl und Sprachenentwicklung, wodurch marginalisierte Gruppen größtenteils vernachlässigt werden. Der Fokus auf querschnittliche anstatt längsschnittliche Analysen hat zudem Auswirkungen sowohl auf Forschungsmethoden als auch auf Förder- und Bildungsempfehlungen. Diese Forschungslücke schließen wir, indem wir die mehrsprachige Sprachentwicklung DHH-Kinder in Migrantenkontexten in Großbritannien und Deutschland untersuchen. Unsere interdisziplinäre Perspektive verbindet Soziolinguistik, Psycholinguistik und linguistische Ethnographie und ermöglicht ein umfassendes Verständnis dieser Thematik über ein Jahr hinweg. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie erleben junge DHH-Kinder in Kontexten der Migration Sprache als soziale Praxis, und wie beeinflussen verschiedene geografische und soziale Faktoren ihren Sprachgebrauch und ihr sprachliches Repertoire? Durch reichhaltige kontextbezogene Datenerhebung bewerten wir Methoden zur Erhebung und Analyse sprachlicher Repertoires. Erkenntnisse über individuelle und kontextuelle Faktoren der Sprachentwicklung in frühen Bildungsphasen fließen in einen differenzierten Forschungsrahmen ein, die das Verständnis von Mehrsprachigkeit als menschliches Phänomen stärkt.m Der transnationale Fokus nutzt Großbritanniens etablierte Förderung mehrsprachiger Kinder und Deutschlands aktuelle Migrationsdynamik, um (1) die Sprachentwicklung DHH-Kinder in Migrationskontexten zu analysieren und zu erklären, (2) wissenschaftliche Erkenntnisse zu mehrsprachigen Sprachrepertoires zu erweitern, (3) fundierte Richtlinien zur Erforschung und Bewertung von Sprachgebrauch und Sprachentwicklung in marginalisierten Gruppen zu entwickeln, und (4) nachhaltige Förderkonzepte für die sprachliche Bildung DHH-Kinder europaweit zu formulieren. Die Nachhaltigkeit der Ergebnisse wird durch einen partizipativen Ansatz gesichert: Kinder, Familien, Unterstützungsnetzwerke und Bildungseinrichtungen sowie DHH- und hörende Forscher:innen und Pädagog:innen sind aktiv in die Gestaltung, Entwicklung und Verbreitung des Projekts eingebunden.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Großbritannien
Partnerorganisation
Arts and Humanities Research Council
Mitverantwortlich
Professor Dr. Wolfgang Mann
Kooperationspartnerinnen
Dr. Kate Rowley; Professorin Ruth A. Swanwick, Ph.D.
