Detailseite
Projekt Druckansicht

Monastische Ökonomien in der Karolingerzeit – Farfa und Fulda

Antragstellerinnen / Antragsteller Dr. Johanna Jebe; Professor Dr. Steffen Patzold
Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566507868
 
Um 750 n. Chr. befand sich etwa ein Drittel des Landes in Westeuropa im Besitz kirchlicher Institutionen; und die bedeutendsten unter diesen Institutionen waren Klöster. Wir wissen allerdings immer noch nicht, was dieser Reichtum konkret auf lokaler Ebene für die Geschichte des späteren 8. und des 9. Jahrhunderts bedeutete. Das Projekt zielt darauf ab, diese Frage zu untersuchen, indem es sich mit vier methodischen Problemen auseinandersetzt. Dies sind: 1) die Evaluation regionaler Unterschiede in monastischen Ökonomien; 2) die Bedeutung von Landleihen als Mittel zur Verwaltung von Klostergütern und zur Etablierung von Beziehungen zu Laien unterschiedlichen Geschlechts und sozialer Herkunft; 3) die Bedeutung von Quellenbegriffen, die Größe und Umfang von Gütern beschreiben, aber nicht immer quantifizierbar gemeint waren; und 4) die Zusammenschau von Ökonomie, kirchlicher Institutionalität und religiöser Spiritualität und Wissenskultur, die in ihrem komplexen Ineinandergreifen klösterliche Gemeinschaften in der Karolingerzeit prägten. Jeder dieser vier Bereiche ist in der Forschung bisher eher unterbelichtet geblieben; systematisch zusammengeführt worden sind sie noch gar nicht. Ihre Zusammenschau ist aber ein dringendes Desiderat: Denn die überwältigende Mehrheit unserer Quellenzeugnisse zur frühmittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte ist von monastischen Gemeinschaften geschaffen und in Klöstern tradiert worden. So ist die Geschichte der Wirtschaft für diese Periode zwangsläufig weitgehend eine Geschichte monastischer Ökonomien. Um unser Kernziel zu erreichen, untersuchen wir in eng verzahnter Weise zwei Fallstudien: Farfa in Italien und Fulda in Deutschland. Wir werden zunächst die überlieferten Urkunden der beiden Klosterarchive aus der Karolingerzeit in einer digitalen Edition verfügbar machen, die mittelalterliche Archivierungspraktiken offenlegt, anstatt sie zu verbergen. Auf der Grundlage dieser digitalen Edition werden wir die Urkunden und die weitere Überlieferung der beiden Klöster auf vier Fragen hin analysieren: Wie unterschieden sich monastische Ökonomien von Region zu Region? Wie genau dienten Landleihen (in Form von Pachtverträgen, libelli, prekarischen Leihen usw.) zur Verwaltung des Klosterguts - und was bedeuteten sie konkret für die Möglichkeiten der Institutionen, auf das Land zuzugreifen? Inwieweit lassen sich aus den Urkunden und aus weiterer monastischer Überlieferung Aussagen über den Umfang des Landbesitzes gewinnen? Und wie sehr und in welcher Weise wurden die Verwaltung und die Erfassung des Klosterguts durch monastische Spiritualität und Wissenskulturen beeinflusst?
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Großbritannien
Kooperationspartner Marios Costambeys, Ph.D.
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung