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Komponieren von Macaoheit: Neue Musik und die Konstruktion der kulturellen Identität postkoloniales Macao
Antragsteller
Dr. Sio Pan Leong
Fachliche Zuordnung
Musikwissenschaften
Asienbezogene Wissenschaften
Asienbezogene Wissenschaften
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566509679
Dieses Projekt zielt darauf ab, zu untersuchen, wie ein wachsender Korpus von staatlich in Auftrag gegebener „Macao-themenbezogener“ Neuer Musik als strategisches Instrument der Regierung von Macao bei der Konstruktion der kulturellen Identität des postkolonialen Macao dient. Diese Kompositionen, die seit 1989 von der Kulturbehörde Macaos in Auftrag gegeben werden, entstanden in einer Zeit, in der die Regierung bestrebt war, eine multikulturelle „Ost-trifft-West“-Identität für Macao zu schaffen. Diese sollte sowohl die Integration der Region in China erleichtern als auch ihre globale Sichtbarkeit nach der Übergabe der Souveränität im Jahr 1999 erhöhen. Die Bedeutung dieser Kompositionen liegt nicht nur in ihrer Rolle als kuratierte kulturelle Narrative und Darstellungen Macaos unter der Führung der Regierung, sondern auch darin, dass sie zur Entstehung eines eigenen Kanons von „Musik mit Macao-Charakteristika“ geführt haben. Um die strategischen Rollen dieser Kompositionen im Rahmen der Identitätsbildungsagenda Macaos zu untersuchen, wird dieses Projekt zunächst die übergeordneten Ziele und Strategien der Regierung Macaos zur Identitätsbildung sowie den institutionellen Rahmenbedingungen, die die Auftragsvergabe leiten, analysieren. Aufbauend auf diesen Untersuchungen wird das Projekt dann analysieren, wie die kulturelle Identität Macaos durch diese Kompositionen ausgedrückt wird. Insbesondere wird es sich auf Stuart Halls Konzept der kulturellen Identität als diskursives Konstrukt stützen, indem es die Macao-themenbezogenen Kompositionen selbst, die Perspektiven wichtiger Akteure und die begleitenden Öffentlichkeitsmaterialien als integrale Bestandteile des Diskurses untersucht, durch den die Regierung die kulturelle Identität des postkolonialen Macao konstruiert und artikuliert. Indem es die bislang wenig diskutierte kulturelle und politische Bedeutung dieser Kompositionen beleuchtet, wird dieses Projekt nicht nur einen Beitrag zur Forschung über das postkoloniale Macao leisten, sondern auch eine besondere Relevanz für musikwissenschaftliche Diskussionen über die verflochtene Geschichte der europäischer und ostasiatischer Neuer Musik, Postkolonialität und kulturelle Identität haben. Es wird außerdem zu globalen Musikstudien beitragen, indem es Macaos Beitrag zur Neuen Musik – der oft von anderen Regionen wie Hongkong, Taiwan und Festlandchina überschattet wird – größere Aufmerksamkeit widmet sowie durch die Katalogisierung und Analyse eines aufkommenden Kanons der Musik Macaos. Darüber hinaus wird dieses Projekt zu breiteren Reflexionen anregen und den Dialog über die „Macaoheit“ der Musik und Kultur Macaos fördern, was angesichts der laufenden Identitätsbildungsbemühungen Macaos ein zeitgemäßes Unterfangen darstellt.
DFG-Verfahren
WBP Stelle
