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Kleine Veränderungen: Lokales Wissen, Resilienz und Anpassung in mittelalterlichen Landschaften

Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566618576
 
Gesellschaftliche Transformationen bewegen die Archäologie seit ihren Anfängen. Das Interesse dabei zumeist der Makroebene: 'Kulturen', Gesellschaften oder frühen Staaten. In diesem Projekt fragen wir hingegen, wie lokale Gesellschaften auf großskaligen Wandel der natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen (z.B. Klimawandel oder Urbanisierung) reagierten. Hierfür nehmen wir drei ausgewählte kleinräumige Kulturlandschaften in Südwestengland, in Südbayern und auf der Peloponnes zum Ausgangspunkt, die wir jeweils als Produkte gemeinschaftlicher Praktiken durch die Zeit verstehen, die in lokalem Wissen verankert sind. Durch dieses Vorgehen in drei sehr unterschiedlichen Ökotopenräumen und historischen Kontexten sowie angereichert durch Literaturstudien zu weiteren Fallbeispielen zielen wir darauf, die Bandbreite lokalgesellschaftlicher Reaktionen auf externe natürliche und gesellschaftliche Veränderungen zu untersuchen und so dem üblichen, stark vereinheitlichenden Blick auf die Makroebene gegenüberzustellen. Diese Perspektive kann auch die Möglichkeiten unserer Gesellschaften für notwendige lokale Adaptionen erweitern. Zeitlich wählen wir einen Ansatz der longue durée, der gemäß unserer Kernkompetenzen vor allem das 5.-11. Jh. U.Z. in den Blick nimmt, aber auch die Umbrüche des 12.-16. Jh. Berücksichtigt. Unsere Forschungsfragen lauten: 1. Reagierten lokale Gesellschaften des europäischen Mittelalters auf veränderte Umwelt- und gesellschaftliche Bedingungen durch Anpassung der Landschaften, in denen sie lebten? 2. Welche Entscheidungsprozesse ermöglichten es lokalen Gesellschaften sich anzupassen, und wie kamen Innovationen zustande? 3. Wie manifestieren sich Umwelt- und gesellschaftliche Veränderungen und Reaktionen darauf in der materiellen Struktur lokaler Kulturlandschaften? 4. Wie wirksam waren Anpassungen, die lokale Gesellschaften vornahmen, auf lange Sicht? Wir werden in allen drei Kleinräumen das gleiche Methodenset anwenden: Zunächst werden die historischen Flurrelikte durch Fernerkundung, insbesondere Lidar (teilweise in zentimetergenauer Auflösung), alte Karten und andere Quellen dreidimensional dokumentiert und ihre relative genetische Entwicklung rekonstruiert. Im zweiten Schritt werden an ausgewählten Stellen kleine Testschnitte angelegt, um Bodenproben zu gewinnen. Die Laboruntersuchungen dieser Proben im dritten Schritt liefern die absolute Chronologie mittels modernster OSL- und AMS-Datierungen und klären die Bewirtschaftung dieser Flursysteme mittels Dünnschliffen sowie botanischer Makroreste und Pollen. Abschließend werden alle Einzelergebnisse für jeden Kleinraums im Interpretationsrahmen einer Landschaftsbiographie zusammengeführt, der es erlaubt, die (geo)archäologisch ermittelten Daten mit Praktiken zu verknüpfen und weiter auf lokales Wissen zurückzuführen bzw. auf Reaktionsmuster auf äußere, großskalige Veränderungen zu befragen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Großbritannien
Kooperationspartner Professor Dr. Sam Turner
 
 

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