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Digitale Erforschung von Lautentabulaturen als agency. Neukonzeptualisierung der Intabulierung des 16. Jahrhunderts zwischen kreativen Akteuren

Fachliche Zuordnung Musikwissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566619279
 
DELTA führt eine Gruppe von Experten aus den Bereichen der Musikwissenschaft, Digital Humanities, MEI und Linked Data zusammen. Auf Basis aktueller technischer Entwicklungen werden Lautentabulaturen als Produkte künstlerischer, sozialer und praktischer Prozesse neu gelesen, um ihre Musik zwischen musikalischen Referenzen, Kultur und Musiktheorie zu verorten. Dieser Kontext wird per se als ein Netzwerk von unterschiedlichen Akteuren (agency) verstanden; eine Perspektive, die wir durch eine neue Herangehensweise der digitalen Musikwissenschaft erproben. Im 16. Jahrhundert war die Intabulierung - die Bearbeitung einer mehrstimmigen Vokalvorlage für ein einzelnes Instrument - eine anerkannte Kunst. Intabulierungen, welche von berühmten Lautenvirtuosen wie Francesco da Milano genauso arrangiert wurden wie von Amateurmusikern, erreichten durch Musikdrucke ein breites Publikum. Traktate von Autoren wie Adrian Le Roy und Vincenzo Galilei reflektierten den Prozess und unterschieden darin die rein mechanische Übertragung von einer gewissen 'vornehmeren' Art. Humanisten wie Hans Heinrich Herwart sammelten Lautendrucke und -handschriften, um polyphone Musik durch Intabulierungen genauer studieren zu können. Diese verschiedenen Akteure untersuchen wir aus der Perspektive eines Netzwerkes zwischen Komponisten, 'Arrangeuren', Sammlern, Druckern und Musikgelehrten. DELTA untersucht diesen Intabulierungsprozess als eine praktische und künstlerische Tätigkeit wie auch als ein Mittel zum besseren Verständnis der Polyphonie des 16. Jahrhunderts, einer Zeit, in welcher Partituren im modernen Sinn nicht existierten. Die Relektüre verändert den Wert dieser Musik jenseits ihres Etiketts von 'bearbeiteten Werken'. Durchgeführt wird die Neubewertung in Form von drei musikwissenschaftlichen Fallstudien, welche sowohl in enkodierten Daten wie wissenschaftlichen Beiträgen gemeinsam publiziert werden. Neben neuen Daten wird DELTA drei wichtige digitale Korpora der Lautenmusik revitalisieren, die für unsere Forschung grundlegend sind. Gemäß den FAIR-Prinzipien werden wir ihre Kodierungen in moderne Standards konvertieren und sie nachhaltig veröffentlichen sowie ihre Auffindbarkeit verbessern, indem wir sie in die RISM Online-Plattform integrieren. Das Verständnis von Intabulierung als aktiver Vermittler (agency) zwischen Druckern, Sammlern und Musikern, wird in enger Abstimmung mit drei musikwissenschaftlichen Studien in die Entwicklung von digitalen Tools einfließen, welche die Notation, ein virtuelles Griffbrett und Videos innovativ präsentieren. Dies wird unsere eigene Forschung verbessern und gleichzeitig die häufig unzugängliche Lautentabulatur einem breiten Publikum eröffnen. Den Nutzern wird damit ermöglicht, den Prozess der Intabulierung ebenso wie die Beziehung zwischen mehreren Intabulaturen desselben Werks und deren zugrunde liegenden Vokalmodellen klarer zu sehen, zu hören und zu verstehen, und unmittelbar am Prozess der Neukonzeptualisierung teilzunehmen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Großbritannien
Kooperationspartner David Lewis; Dr. Kevin Page
 
 

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