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Verknüpfte Exile: Praktiken des Sammelns, der Intertextualität und des Erinnerns in der deutschsprachigen Literatur (19.-21. Jahrhundert)

Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566639314
 
Zentraler Fokus des Projekts ist die besondere Bedeutung und Funktion intertextueller Verweise in Texten der Exilliteratur. Ausgehend von dem Befund, dass sich gegenwärtig eine neue deutschsprachige Literatur entwickelt, die Erfahrungen von Fluchtmigration und Exil in Europa reflektiert und sich durch intensive Bezugnahmen u.a. auf exilliterarische Texte der NS-Zeit in die deutsche Literatur einschreibt, wird untersucht, welche Verbindungen hier hergestellt und auf welche Weise etablierte Erinnerungsnarrative transformiert werden. Die Verknüpfungen zu anderen Exilen sind der Ausgangspunkt für die programmatische Ausweitung der Perspektive auf Exilliteratur in dreierlei Hinsicht: Erstens wird die in der Germanistik lange prägende Beschränkung auf das NS-Exildurch Integration von Gegenwartstexten wie auch von Literatur der Vormärz-Zeit, die ihrerseits in historischen Texten des NS-Exils sowie auch in Gegenwartstexten zitiert werden, problematisiert und durch eine integrative epochenübergreifende Behandlung von Exiltexten ergänzt. Zweitens werden Exiltexte ausgehend von den im Einzelnen zu rekonstruierenden Zitaten und Verweisen, die auch kulturelle Kontexte der Herkunftskulturen einbeziehen, in ihren transkulturellen und transnationalen Dynamiken untersucht. Diese sind, so die Leitthese, nicht erst für die Gegenwartstexte charakteristisch, sondern entgegen der im Horizont der gerade auch für Exiltexte typischen Rhetoriken nationaler Selbstkonstitution und Kulturbewahrung auch bereits in vielen der historischen Texte nachvollziehbar. Drittens wird nach den Implikationen solcher vieldimensionalen Verweisstrukturen gefragt, die Archive verflochtener Geschichten sichtbar machen und multidirektionale Gedächtnisstrukturen ausprägen. Aufzuarbeiten gilt es dabei in literaturhistorischer und systematischer Weise, auf welche Weise Exiltexte Verknüpfungen untereinander herstellen, etwa durch Zitate, Motti und Widmungen, Referenz auf bestimmte Autornamen und gemeinsame Topoi, Erzählverfahren oder Formexperimente. So kann untersucht werden, wie neue Räume der Zugehörigkeit jenseits national-kulturell bestimmter literaturhistorischer Rahmungen entworfen werden. In Publikationen und digital aufbereiten Visualisierungen der Vernetzung von Texten werden die Arbeitsergebnisse präsentiert, die das Feld der Exilforschung neu ausrichten sollen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Großbritannien
Kooperationspartner Professor Steffan Davies, Ph.D.
 
 

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