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Wie Schulklassen gemacht werden. Eine Praxeologie zur Herstellung von Schulklassen (WiSch)

Fachliche Zuordnung Erziehungswissenschaftliche Sozialisations- und Professionalitätsforschung
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566994904
 
Dass Unterricht und Schule in Schulklassen organisiert sind, erscheint gegenwärtig selbstverständlich. Zu den sozialen Dynamiken in Schulklassen der Sekundarstufe I wird aufgrund ihrer Implikationen für Unterricht seit Jahrzehnten intensiv geforscht. Die Schulklasse selbst wird dabei jedoch meist als fraglos gegeben vorausgesetzt. Das geplante Projekt geht hinter diese Annahme zurück und untersucht die Herstellungsleistung für die Schulklasse im Sinne eines iterativen Prozesses, in dem Schulklassen entstehen und immer wieder aufs Neue im Werden begriffen sind. Auf Basis eines praxistheoretischen Forschungsansatzes fragt das Projekt dafür über die Materialität und Körperlichkeit von Praktiken nach der affektiven und zeitlichen Dimension der Klassenherstellung. Empirisch interessiert sich das Projekt dabei für die noch wenig beachtete Ausdifferenzierung der pädagogischen Ausgestaltung der Jahrgangsklasse am Beginn der Sekundarstufe I. Durch ein Sample von drei Varianten – der Jahrgangsklasse als Stammgruppe, Team und Ort demokratischen Handelns – untersucht es, wie diese Klassen zu Beginn der Jahrgangsstufe 5 einsetzend mit den Entscheidungen zu ihrer sozialen Zusammensetzung über die Kennenlernzeit in den ersten Schulwochen bis hin zu den pädagogischen Angeboten für das soziale Miteinander in der Klasse, wie Klassenlehrerstunden, Klassenfahrten, Klassenrat, aber auch das gemeinsame Mittagessen, Bewegungsangebote etc., praktisch hergestellt werden. In einer jeweils neunmonatigen Ethnografie zu einer Schulklasse untersucht das Projekt, in welchen konkreten Verfahren und Formaten sich die Handlungsmacht der jeweiligen pädagogischen Sinnentwürfe der Schulklasse im Schulalltag niederschlägt, und erforscht den unabgeschlossenen Prozess, in dem die Schulklasse als eine adressiert wird, die sich in bestimmter Weise noch entwickeln soll. Ethnografisch beobachtet wird dafür an den für die Fragestellung relevanten Schauplätzen inner- und außerhalb des Klassenraums in der Schule. Es werden relevante Dokumente der pädagogischen Sinnentwürfe der Schulklasse gesammelt, zudem werden Wahrnehmungsspaziergänge bzw. ein Shadowing mit Klassenlehrkräften und Schüler*innen eingesetzt. Kontrastiert werden können die drei Fälle hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Funktionen im Schulalltag, ihrer unterschiedlich starken Abgrenzung bzw. Durchlässigkeit zu den Parallelklassen und der zusätzlich eingerichteten pädagogischen Angebote, die als Medien der Herstellung der Schulklasse fungieren. Das Projekt zielt insgesamt darauf, die Herstellungsleistungen, die auf die Schulklasse als pädagogische Handlungseinheit gerichtet sind, durch Beobachtung und Beschreibung im Detail sichtbar zu machen und auf diese Weise einen grundlegenden Beitrag für eine in Daten begründete Theorie der Schulklasse zu entwickeln.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich Dr. Lars Wicke
 
 

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