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Rückerts 'Liebesfrühling' digital
Antragsteller
Professor Dr. Maximilian Bergengruen
Fachliche Zuordnung
Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567047751
Friedrich Rückerts 'Liebesfrühling' stellt eine Ausnahmeerscheinung in der Lyrik-Publikation des 19. Jahrhunderts dar: Es handelt sich um die meistgelesene Gedichtsammlung der Zeit; an ihr und ihrer Rezeption lässt sich eine Art von Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts ablesen. Darüber hinaus ist der Zyklus durch formale Innovation geprägt, die von einer Integration nicht-europäischer Gedichtformen herrührt. Auch inhaltlich wird in den Gedichten einer Vermittlung zwischen den Kulturen und Religionen das Wort geredet. Schließlich wird eine Liebeskonzeption entwickelt, die auf einem gleichberechtigten Dialog der Geschlechter fußt. All dies macht den 'Liebesfrühling' zu einem Text bzw. einer Textsammlung, die aus einer historischen und aktuellen Perspektive mit Gewinn lesbar ist. Editorisch ist die Textsammlung deswegen von herausgehobenem Interesse, weil sie eine hochkomplexe und vielschichtige Entstehungsgeschichte besitzt: Zunächst handschriftlich gesammelt, dann als Sammlung konzipiert, schließlich 1834 als (Teil-)Sammlung veröffentlicht, erfährt der 'Liebesfrühling' zahlreiche, zum Teil erhebliche Veränderungen, die nicht nur durch die Herausgeber, sondern auch durch Rückert selbst veranlasst wurden. Es lassen sich insgesamt sieben editionsrelevante Fassungen identifizieren; bislang wurde jedoch nicht einmal eine dieser Fassungen so ediert, dass sie heutigen Standards genügen könnte. Eine digitale Edition sämtlicher Fassungen der Gedichtsammlung ist von entscheidender Bedeutung für die Forschung zu Rückert, da bislang keine Einigkeit darüber besteht, welche Fassung als maßgeblich anzusehen ist. Mit einer Edition aller Fassungen würde also nicht nur ein fundiertes Verständnis der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieser bekannten Gedichtsammlung ermöglicht, sondern die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rückerts Werk erheblich erleichtert. Beantragt werden die Mittel für eine digitale Edition, die alle sieben Fassungen ohne editorische Vorfestlegung zugänglich und alle Veränderungen und Verschiebungen zwischen den Fassungen sichtbar machen kann. Hinzu kommt ein ausführlicher Kommentar.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Mitverantwortlich
Privatdozent Dr. Christian Reul
