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Ortsbasierte Themenöffentlichkeiten: Die Neuordnung lokaler Öffentlichkeiten in einer digitalisierten und globalisierten Welt

Antragstellerin Dr. Daniela Stoltenberg
Fachliche Zuordnung Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567260138
 
Unter Bedingungen von Digitalisierung und Globalisierung durchlaufen lokale Öffentlichkeiten massive Umbrüche. Ereignisse und Themen werden nunmehr regelmäßig in translokalen Aufmerksamkeitsnetzwerken zwischen lokalen und nicht-lokalen Akteuren ausgehandelt. Sie thematisieren Ereignisse nicht nur als lokal, sondern stellen die Ereignisse und ihre Orte in den Kontext globaler Probleme, wie wachsendem Illiberalismus oder Klimawandel. So werden Ereignisorte von öffentlichen Akteuren regelmäßig zu Symbolen dieser gesellschaftlichen Probleme aufgeladen. Die Emmy-Noether-Gruppe will auf Basis dieses Phänomens ortsbasierter öffentlicher Aufmerksamkeit eine Theorie der Räumlichkeit digitaler Öffentlichkeiten schreiben. Sie führt dazu die Konzepte der Themenöffentlichkeiten (issue publics) und der ortsbasierten Konflikte (place-based struggles) zum Konzept der ortsbasierten Themenöffentlichkeiten zusammen. Das Projekt ist in der kommunikationswissenschaftlichen Öffentlichkeitsforschung verankert, nimmt darüber hinaus aber interdisziplinär Bezug zur Bewegungsforschung und zur Raumsoziologie. Es füllt an dieser Schnittstelle drei blinde Flecken der aktuellen Forschung zu lokalen und digitalen Öffentlichkeiten: Erstens nimmt es empirisch wie theoretisch die Rolle verschiedener Skalen der Kommunikation (lokal vs. translokal) in den Blick. Zweitens stellt es durch ein komplementäres Mixed-Methods-Design Bezüge zwischen emergenten Makrostrukturen digitaler Diskurse und den Prioritäten und Handlungsentscheidungen verorteter Akteure auf der Mikroebene her. Drittens schafft es eine raum-zeitliche Perspektive auf digitale Öffentlichkeit, indem es die Rolle von Orten in öffentlicher Kommunikation im Verlauf von Aufmerksamkeitszyklen untersucht. In einem vergleichenden Fallstudiendesign werden insgesamt sechs Fälle ortsbasierter Themenöffentlichkeiten in drei Ländern (Deutschland, Polen, Vereinigtes Königreich) in den Blick genommen. Dabei handelt es sich jeweils um Klein- und Mittelstädte, die durch lokale Ereignisse im Kontext eines kontroversen gesellschaftlichen Problems zum Objekt nationaler oder sogar internationaler Aufmerksamkeit geworden sind. Je Land steht ein Fall im Kontext illiberaler Bewegungen und des Backlash gegen plurale Gesellschaften; der zweite Fall steht im Kontext industriellen Wandels und Umweltschutzes. Um sowohl die diskursive Makroebene als auch die individuelle Akteursebene zu erfassen, wird ein Mixed-Methods-Design mit computergestützten und qualitativen Verfahren eingesetzt. Einerseits werden je Fallstudie lokale und translokale Diskurse in Massenmedien und sozialen Medien erhoben. Aus diesen Daten werden mittels computergestützter Verfahren raum-zeitliche Diskursmuster nachgezeichnet. Andererseits werden Feldforschung und qualitative Interviews eingesetzt um zu verstehen, wie lokale Akteure translokale öffentliche Aufmerksamkeit wahrnehmen und welche Strategien sie zum Umgang mit ihr entwickeln.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
 
 

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