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Charakterisierung anhaltender orofazialer Schmerzen
Antragsteller
Professor Dr. Arne May
Fachliche Zuordnung
Zahnheilkunde; Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Kognitive und systemische Humanneurowissenschaften
Kognitive und systemische Humanneurowissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567303302
Schmerzzustände des 2. und 3. Astes des Trigeminusnervs, also idiopathische orofaziale Schmerzen, werden im Gegensatz zu Kopfschmerzen weitgehend ignoriert. Obwohl recht häufig, sind wissenschaftliche Studien rar und dementsprechend gibt es kaum pathophysiologische Konzepte. Dies führt oft dazu, dass betroffene Patienten eine lebenslange Odyssee erleben, die im schlimmsten Fall mit der Entfernung aller Zähne endet und die Schmerzen immer noch anhalten. Persistierende Gesichtsschmerzen, die nicht dental bedingt sind, sind vor allem der persistierende idiopathische Gesichtsschmerz (PIFP) und die neuropathischen Gesichtsschmerzen (PTNP). PTNP ist definiert als ein Schmerz, der aus einer Verletzung des trigeminalen Nervensystems resultiert. Klinisch sind PIFP und PTNP weitgehend identisch, und der Unterschied besteht im Nachweis der Nervenschädigung (Anäthsie/Hypästhesie/Allodynie etc) beim PTNP. Die Pathogenese von PIFP ist völlig unbekannt. Dies soll untersucht werden, indem PIFP und PTNP Patienten und gesunde Probanden (n=53 per Gruppe) mit einer Kombination aus nicht invasiven peripheren (Projekt 1) und zentralen Ansätzen (Projekt 2) untersucht werden. Die Untersuchungen basieren auf 2 Hauptthesen: 1) das PIFP-Patienten und Gesunde, im Gegensatz zu PTNP-Patienten, auch subklinisch eine gesundes peripheres Nervensystem aufweisen. Dies wird mittels quantitativ sensorischer Testung (QST) und Messung der intraoralen Durchblutung vor und nach intraoraler Capsaicin Stimulation (CIBD) mittels Laser Doppler Speckle untersucht. Sollten sich subklinisch bei einem Teil der PIFP-Patienten Veränderungen bei CIBD und/oder intraoralem QST finden, wird dies ermöglichen auch diese Subgruppen in der zweiten Hauptthese im direkten Vergleich zu PTNP-Patienten und gesunden Kontrollpersonen weiter zu charakterisieren. 2.) Die zweite Hauptthese ist, dass PIFP-Patienten, im Gegensatz zu PTNP-Patienten und Gesunden, eine zentrale Verarbeitungsstörung von trigeminalen Schmerzreizen auf Hirnstammebene aufweisen, was sie von den anderen beiden Gruppen fundamental unterscheidet und den persistierenden Schmerz erklärt. Hierzu werden die Merkmale des Hirnstammnetzwerks mithilfe von fMRT direkt verglichen, einschließlich vor- und nachgelagerter Informationsmuster, und mithilfe partieller Korrelation und dynamischer Kausalmodellierung diese Muster bei gesunden Kontrollpersonen und PIFP- und PTNP-Patienten charakterisiert. Hierzu benutzen wir unser standardisiertes und validiertes trigemino-nozizeptives Protokoll, optimiert für Hirnstammbildgebung. Sekundäre Ergebnisse sind die Unterscheidung von Patienten vor und nach einer Nervenblockade (nur bei PIFP-Patienten) und Unterschiede zwischen PIFP-Patienten mit geringfügigen Veränderungen bei CIBD und/oder intraoralem QST und PIFP-Patienten ohne und PTNP-Patienten und gesunden Kontrollpersonen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
