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Die Semantik von episodischen Repräsentationen
Antragstellerin
Professorin Dr. Kristina Liefke
Fachliche Zuordnung
Theoretische Philosophie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567405906
Wenn wir uns an ein Ereignis aus unserer persönlichen Vergangenheit erinnern, konstruieren wir eine mentale Repräsentation von diesem Ereignis. Diese Repräsentation fängt ein, wie es war, das Ereignis zu erleben und enthält reichhaltige perzeptuelle Informationen über dieses Ereignis. Das SEER-Projekt ('SEmantik von Episodischen Repräsentationen') untersucht solche episodischen Gedächtnisrepräsentationen. Es entwickelt einen neuen theoretischen Rahmen für diese Repräsentationen, der sie durch dieselben (semantischen) Werkzeuge analysiert wie sprachliche und bildliche 'Bedeutungen' (z.B. mögliche Welten, Wahrheitsbedingungen, Projektion). SEER will zeigen, wie dieser Rahmen (i) zur Beantwortung aktueller Fragen aus der Philosophie des Gedächtnisses beiträgt, (ii) für Metaphysik, Erkenntnistheorie, Psychologie & Neurowissenschaft hilfreiche neue Begriffe einführt und (iii) eine Plattform für den wechselseitigen Austausch zwischen Semantikern und Gedächtnisphilosophen bietet. Durch diese Interaktion macht SEER die aufkommende 'Semantik von Gedächtnis' zu einem etablierten Forschungsgebiet (neben z.B. der Metaphysik und Erkenntnistheorie von Gedächtnis). SEER verfolgt die oben genannten Ziele in 3 Schritten: Erstens wird es zeigen, dass episodische Gedächtnisrepräsentationen die semantischen Eigenschaften von sprachlichen und ikonischen Repräsentationen teilen und mithin durch formale Theorien für diese Repräsentationen analysiert werden können. Zweitens wird es zeigen, wie diese Analyse bestehende Theorien und Begriffe aus der zeitgenössischen Philosophie des Gedächtnisses präzisiert (und damit (i) und (ii) ermöglicht). Drittens wird es zeigen, dass diese Analyse für die Semantik und Sprachphilosophie selbst gewinnbringend ist (siehe (iii)). Das Projekt illustriert die Vorteile dieser Analyse an drei aktuellen Themen aus der Philosophie des Gedächtnisses: Erinnerungen aus nicht-veridischen Erfahrungen wie Träumen, Erinnerungen an wiederholte Ereignisse und episodisches zukunftsgerichtetes und kontrafaktisches Denken. Diese Arten von Denken involvieren existenziell nicht-verpflichtende, referenziell unspezifische und nicht-faktische Repräsentationen. SEER ist ein stark interdisziplinäres Projekt, das auf dem Austausch von Ideen aus der Semantik und der Philosophie des Gedächtnisses basiert. Dieser Austausch wird ermöglicht durch die komplementären Profile der beiden Forschungsteams: Während das französische Team (an der Universite Grenoble Alpes) die zeitgenössische Philosophie des Gedächtnisses geprägt hat, ist das deutsche Team (an der Ruhr-Universität Bochum) einschlägig für die formale Semantik von Einstellungen. Entsprechend liefern die Mitglieder des deutschen Teams die Werkzeuge für die Analyse des v.a. durch das französische Team vertretenen Themas. In unserer jüngsten Arbeit haben wir gezeigt, dass diese Analyse äußerst vielversprechend ist. Unsere gemeinsame Arbeit an SEER wird die nachhaltige Zusammenarbeit der beiden Teams festigen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Frankreich
Partnerorganisation
Agence Nationale de la Recherche / The French National Research Agency
Kooperationspartner
Professor Kourken Michaelian, Ph.D.
