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Dekarbonisierung des Industriesektors: Innovation, Marktstruktur, und Politikmaßnahmen.
Antragsteller
Dr. Oliver Schenker
Fachliche Zuordnung
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567435751
Um die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, wie im Pariser Abkommen festgelegt, ist es zwingend erforderlich, dass große und entwickelte Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich bis 2050 kohlenstoffneutral werden. Um die notwendigen Emissionsreduzierungen zu erreichen, sind grundlegend neue Produktionsverfahren und technologische Fortschritte erforderlich. Forschung, Entwicklung und Nutzung neuer Technologien werden jedoch häufig durch Wissensspillover sowie andere Marktunvollkommenheiten behindert. Darüber hinaus konkurrieren deutsche und französische Unternehmen mit Herstellern aus Ländern, in denen die Kohlenstoffemissionen weniger streng reguliert sind, was zu komparativen Vorteilen für diese Hersteller führt. In diesem Zusammenhang beeinträchtigt der internationale Handel nicht nur die Wirksamkeit der europäischen Klimapolitik, sondern weckt auch Deindustrialisierungsbefürchtungen. Während in der Literatur diese beiden Herausforderungen isoliert und im Rahmen von perfekten oder monopolistischen Wettbewerbsannahmen ausgiebig erörtert werden, gibt es bemerkenswert wenig Forschung an der Schnittstelle zwischen Industrie- und Umweltökonomik, die die Kombination dieser für eine erfolgreiche Transformation entscheidenden Aspekte beleuchtet. Wie die allgemeine Second-Best-Theorie nahelegt, können angesichts der zahlreichen Marktverzerrungen im Industriesektor politische Maßnahmen, die auf die Behebung eines einzelnen Marktversagens abzielen, nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Wohlfahrt führen, wenn zusätzliche Verzerrungen das Marktgleichgewicht beeinträchtigen. Erstens sollen daher Ansätze aus der Industrieökonomik genutzt werden, um zu verstehen, wie Regulierung und Marktstrukturen den Innovationsanreiz von Unternehmen beeinflussen. Viele Branchen, die wesentlich zum Klimawandel beitragen, sind aufgrund hoher Markteintrittskosten durch unvollkommenen Wettbewerb gekennzeichnet (z. B. Stahl, Zement). Die Anwendung von industrieökonomischen Modellen ist daher hilfreich für Analyse, fehlt jedoch noch weitgehend in der umweltökonomischen Literatur. Zweitens ergänzen wir unsere Analyse durch eine gesamtwirtschaftliche Perspektive, indem wir die Folgen für interindustrielle Effekte, internationalen Handel sowie andere allgemeine Gleichgewichtsinteraktionen auf die Faktorpreise und damit die Nachfrage verstehen lernen. Der Industriesektor Frankreichs und Deutschlands bietet eine einzigartige Perspektive auf diese Dekarbonisierungsherausforderungen. Die stark unterschiedlichen Merkmale der jeweiligen Elektrizitäts- und Industriesektoren können zusammengenommen wichtige Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Marktmacht, Innovation und der Wirksamkeit der Klimapolitik hinaus liefern, zu der eine isolierte Analyse so nicht in der Lage wäre.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Frankreich, USA
Partnerorganisation
Agence Nationale de la Recherche / The French National Research Agency
Mitverantwortlich
Professor Dr. Sebastian Rausch
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professor Rabah Amir, Ph.D.; Professor Dr. Bertrand Koebel; Professorin Dr. Isabelle Maret
