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Empathie und Gerechtigkeit - Einfühlung unter Bedingungen von Unterdrückung

Antragstellerin Dr. Katharina Anna Sodoma
Fachliche Zuordnung Praktische Philosophie
Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567492359
 
Empathie – eine Form der Einfühlung in die Perspektive einer anderen Person – wird oft als dyadisches Phänomen aufgefasst, das seinen Platz in persönlichen Nahbeziehungen hat. Trotzdem kann Empathie soziale und politische Vorbedingungen und Konsequenzen haben. Bedingungen von Unterdrückung, wie Rassismus und Sexismus, beeinflussen wer mit wem und in Bezug auf welche Art von Erfahrung Empathie empfinden kann und will. Während Unterdrückung Empathie mit der Perspektive der Unterdrückten erschwert, wird Empathie mit privilegierten Perspektiven ermöglicht und gefördert. Obwohl dies als Desideratum der Empathieforschung formuliert wurde, wurde dieser Zusammenhang zwischen Empathie und Unterdrückung bisher nicht hinreichend erforscht. Ziel dieses Projekts ist es, diese Forschungslücke zu schließen, indem eine systematische philosophische Konzeption von Empathie unter Bedingungen von Unterdrückung erarbeitet wird. Der Fokus liegt dabei auf der Erschließung der politischen, ethischen und epistemischen Bedeutung von Verwerfungen der Empathie, die unter Bedingungen von Unterdrückung entstehen, sowie auf den komplexen Auswirkungen von Unterdrückung auf die Perspektive der Unterdrückten, die dazu in die Lage versetzt und angehalten werden, Empathie mit privilegierten Perspektiven zu empfinden. Teil I beschäftigt sich mit der politischen und ethischen Bedeutung von Verwerfungen der Empathie, die unter Bedingungen von Unterdrückung entstehen. Arbeitspaket I.A) erforscht die These, dass relative Defizite an Empathie mit der Perspektive von Unterdrückten eine Form von „affektiver Ungerechtigkeit“ darstellen. Arbeitspaket I.B) erläutert, ob das auch bedeutet, dass wir anderen moralisch Unrecht tun können, indem wir keine Empathie mit ihnen empfinden. Arbeitspaket I.C) beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Unterdrückung auf Empathie aus der Perspektive der Unterdrückten, indem es der Frage nachgeht, ob „empathischer Widerstand“, d.h. Widerstand dagegen, sich in bestimmte Perspektiven einzufühlen, eine Form des politischen Widerstands sein kann. Teil II beschäftigt sich mit der epistemischen Bedeutung von Verwerfungen der Empathie, die unter Bedingungen von Unterdrückung entstehen. Arbeitspaket II.A) stellt die Grundlage für diese Untersuchung bereit, indem es eine neue Konzeption der epistemischen Rolle von Emotionen entwickelt. Darauf aufbauend entwickelt Arbeitspaket II.B) eine Konzeption dessen, wie wir durch das Einnehmen der emotionalen Perspektive einer anderen Person auf ihre Situation etwas über die Welt lernen können, und argumentiert, dass systematische Empathie Defizite zu epistemischen Hindernissen führen. Arbeitspaket II.C) beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Unterdrückung auf Empathie aus der Perspektive der Unterdrückten, indem es erforscht, ob die Tatsache, dass Unterdrückte dazu in die Lage versetzt und angehalten werden, mit privilegierten Perspektiven Empathie zu empfinden, zur Entwicklung eines „doppelten Bewusstseins“ beitragen kann.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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