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Überprüfung der Al-Hajar-Refugiums-Hypothese (TARGYT) – Karstsenken in der nördlichen Bergregion Omans als Umwelt- und archäologische Archive
Antragsteller
Dr. Max Engel
Fachliche Zuordnung
Physische Geographie
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567765563
Der frühe moderne Mensch zeigte bei seiner Ausbreitung von Afrika aus eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit, wobei Umweltveränderungen die Migrationsmuster auf der gesamten Arabischen Halbinsel bestimmten. Neueste archäologische und hydroklimatische Daten stellen jedoch zunehmend die bisherige Vorstellung von einheitlichen Trocken- und Feuchtperioden in Frage und deuten verstärkt auf lokal geprägte Auswirkungen der Klimaschwankungen und der menschlichen Reaktion hin. Eine der häufigsten Reaktionen prähistorischer Gruppen auf zunehmende Trockenheit bestand darin, sich zurückzuziehen und sich in ökologisch günstigeren Gebieten, sogenannten Refugien, zu konzentrieren. Das TARGYT-Projekt untersucht die Rolle des zentralen Al-Hajar-Gebirges im Oman als potenzielles Refugium während trockener Klimaphasen, indem es sedimentgefüllte Karstsenken (sing. Hayl; pl. Huyul) als einzigartige Geoarchive in Kombination mit prähistorischen Artefakten untersucht. Im Zentrum der Untersuchung steht die Polje Hayl Ajah, in einem Gebirgskorridor zwischen Jebel Al-Kawr und Jebel Al-Ghul gelegen. Sedimentgefüllte Karstsenken im ariden Raum sind essenzielle Verbindungen zum karsthydrologischen System und Konzentrationspunkte für Vegetation, Bodenressourcen und stabilere ökologische Bedingungen – wichtige Pull-Faktoren für prähistorische Gruppen in Trockenperioden. Das TARGYT-Projekt zielt darauf ab, die Al-Hajar-Refugium-Hypothese zu testen, nach der genau diese intramontanen Ökotope (entweder saisonal oder dauerhaft) dann besiedelt wurden, wenn Tieflandgebiete aufgrund hyperarider Bedingungen unbewohnbar wurden. Die in Hayl Ajah gefundenen Steinartefakte, einige davon sogar in stratigraphischem Kontext, deuten auf menschliche Präsenz seit mindestens dem Mittelpaläolithikum hin, mit bedeutender Aktivität auch während des Spätneolithikums und der Bronzezeit. Erste Ausgrabungen und sedimentologische Analysen weisen auf ein dynamisches Wechselspiel zwischen menschlicher Aktivität und Umweltveränderungen hin. Das Projekt hat zwei Hauptziele: (1) Rekonstruktion der Umweltbedingungen in Höhenlagen von 1000–2000 m, um das Potenzial dieser Region für prähistorische Gruppen während Trockenphasen abzuschätzen, und (2) Untersuchung der prähistorischen Besiedlungsmuster in der Region als mögliche Reaktion auf die variablen Umweltbedingungen. Das Projekt integriert dabei Daten aus der Hydrogeologie, Sedimentologie, Geochemie, Mikropaläontologie, Archäologie und Ethnographie. Die TARGYT-Studie soll letztendlich zur Diskussionen über die Anpassungsfähigkeit und Resilienz prähistorischer Gesellschaften in Trockenräumen beitragen und die Rolle lokaler Mikroklimate und Umweltnischen für die frühe Kulturgeschichte Arabiens hervorheben. Die enge Verknüpfung von archäologischen und paläoökologischen Daten von ein und demselben Ort in dieser wenig erforschten Region lässt fundamental neue Erkenntnisse zur kulturellen Implikation der Umweltveränderungen im Südosten Arabiens erwarten.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Tschechische Republik
Partnerorganisation
Czech Science Foundation
Kooperationspartnerin
Dr. Inna Mateiciucová
