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Digitising Global Health: Datifizierung und Neuverräumlichungsprozesse in Afrika

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568263129
 
Obgleich Digitalisierung von der Soziologie als Kernelement des gegenwärtigen sozialen Wandels beschrieben worden ist, sind die dadurch angestoßenen institutionellen und räumlichen Veränderungen, vor allem im Feld der öffentlichen Gesundheit, bisher wenig erforscht worden. Vor allem in ressourcenschwachen Gesellschaften haben Digitalisierungsprozesse besondere drastische Folgen, sind aber dennoch bisher kaum in den Blick geraten. Das Projekt schließt diese Forschungslücke über eine vergleichende Erforschung von Digitalisierungsprozessen im Feld der Gesundheitsversorgung in Ghana und Malawi. Es fokussiert dabei auf (1) Neuverräumlichungsprozesse (2) Institutionalisierungsdynamiken und (3) auf die wechselseitigen Verhältnisse dieser beiden Prozesse. Der empirische Fokus des Projekts liegt auf den Folgen der Digitalisierung von Patientenregistraturen (auch: digitale Gesundheitsakte, digital patient file, electronic health record), wodurch zu jedem registrierten Patienten umfangreiche, aber selektive Daten-Doubles erstellt werden. Diese, als virtuelle Körperrepräsentationen fungierenden, Daten-Doubles führen nicht nur zu Veränderungen von medizinischen Interaktionen und Diagnose- und Therapiepraktiken, sondern zirkulieren auch in transregionalen Datenströmen, und produzieren ggfs. über Prozesse, die wir – in Anlehnung an wirtschaftswissenschaftliche Konzeptualisierungen – als vertikale Integration bezeichnen, ökonomischen Nutzen und weiterreichende Veränderungen (siehe auch Weiß 2017). Digitale Daten-Doubles erlauben die Verknüpfung individueller Daten mit größeren Datensätzen, führen zur geographischen Mobilisierung dieser Daten und deren räumlicher Entbettung. Neuverräumlichung meint dabei die Lokalisierung von Personen (Patient:innen), Diagnose- und Therapiepraktiken, die Deterritorialisierung der dabei generierten Daten sowie die selektive Verknüpfung von Patient:innendaten, pharmazeutischer Forschung und deren ökonomischer Inwertsetzung. Das Projekt ist an der Schnittstelle von drei soziologischen Forschungsliteraturen angesiedelt: der soziologischen Forschung zu Infrastrukturen, der sozialwissenschaftlichen Forschung zu Global Health in Afrika sowie der Soziologie der Digitalisierung im Feld der Gesundheit. In seiner methodologischen Ausrichtung steht es in der Tradition der interpretativen Sozialforschung (Przyborski & Wohlrab-Sahr 2013)Das Projekt schließt an die Ergebnisse des Teilprojekts „Off the Grid: Infrastrukturen, Verräumlichungsprozesse und Drohnen in Afrika, das im Rahmen des SFB 1199 „Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen“ (2020-2024) von der DFG gefördert wurde.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Ghana
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner Abdallah Chilungo; Dr. Sylvia Esther Gyan
 
 

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