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Über Phänomenales: Epistemischer Fortschritt durch komplexe und empathisch simulierte Erfahrungen

Antragstellerin Dr. Christiana Werner
Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568267966
 
„Wenn dein Kind dir sagt, dass es hungrig ist und du ihm nichts geben kannst, ist das das schlimmste Gefühl der Welt.“ So zitiert das Welternährungsprogramm den Vater eines hungernden Kindes. Wie es ist, eine bestimmte Erfahrung zu machen – also ihre Phänomenalität – ist für uns von großer Bedeutung, ebenso wie das Wissen, wie es ist („W-Wissen“). Traditionell steht das phänomenale Bewusstsein im Zentrum der Geist-Körper-Debatten, weshalb auch das W-Wissen vor allem in diesem metaphysischen Kontext analysiert wurde. Aus erkenntnistheoretischer Perspektive ist seine Analyse aber auch ohne den metaphysischen Rahmen relevant. Unterstrichen wird die Dringlichkeit einer solchen Analyse von der Bedeutung des W-Wissens in Debatten über transformative Erfahrungen, Rassismus, Sexismus, Unterdrückung sowie in der Philosophie der Imagination und Empathie. In diesen Kontexten wird oft auf Theorien aus der Geist-Körper-Debatte zurückgegriffen, die W-Wissen als das Verfügen über Fähigkeiten oder phänomenale Begriffe verstehen. Das Projekt nimmt an, dass komplexe und empathisch simulierte Erfahrungen diese Standardtheorien vor große Herausforderungen stellen: 1. Diese Theorien fokussieren einfache Erfahrungen wie Farbwahrnehmung. Komplexe Erfahrungen wie etwa von Elternschaft, Krieg oder Unterdrückung unterscheiden sich davon aber erheblich. 2. Empathisches Simulieren wird oft als Quelle von W-Wissen gesehen. Simulation ist eine Art Imagination. Es folgt, dass Imagination eine Quelle von W-Wissen ist. Dies widerspricht der verbreiteten Annahme in der Geist-Körper-Debatte, dass nur die direkte Erfahrung W-Wissen vermittelt. Bisher fehlt eine systematische Untersuchung, ob empathisch oder durch komplexe Erfahrungen gewonnenes W-Wissen so verstanden werden kann, wie W-Wissen, das aus einfachen Erfahrungen erster Hand stammt. Das Projekt geht davon aus, dass der durch Empathie und komplexe Erfahrungen erworbene epistemische Fortschritt nicht bloß als Erwerb bestimmter Fähigkeiten beschrieben werden kann. Auch bestehende Theorien phänomenaler Begriffe fassen diese Fälle nicht adäquat. Eine Modifikation jener Theorien verspricht jedoch das nötige analytische Potenzial zu bieten. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Theorie des W-Wissens, die auf der Grundlage eines neuen Modells komplexer phänomenaler Begriffe, deren Erwerb und Anwendung, komplexe und empathische Erfahrungen als Wissensquelle integriert.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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