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Arbeitsmarktanpassung auf makroökonomische Schocks: Institutionen und Kurzarbeit

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Wirtschaftstheorie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568479736
 
Trotz der zwei größten Nachkriegs-Rezessionen in den Jahren 2008/09 und 2020 ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland kaum angestiegen. Daneben haben sich in den letzten 20 Jahren die BIP- und Beschäftigungsentwicklung relativ stark entkoppelt. Beide Trends fallen mit der Nutzung von Kurzarbeit in großem Umfang während dieser Rezessionen und der Einführung der Hartz-Arbeitsmarktreformen ab dem Jahr 2003 zusammen. Nichtsdestotrotz gibt es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten zu den makroökonomischen Effekten von Kurzarbeit, insbesondere zur Nutzung von Kurzarbeit von Firmen mit finanziellen Restriktionen und zu der Beziehung zwischen der Resilienz des Arbeitsmarktes und den Hartz Reformen. Das Projekt analysiert die Rolle von (reformierten) Arbeitsmarktinstitutionen und die Rolle von Interaktionen zwischen finanziell eingeschränkten Firmen und Kurzarbeit für die makroökonomische Resilienz gegenüber Schocks. Wir schlagen drei Schritte vor, die alle makroökonomische Modellierung und Simulationen mit mikroökonomischen Datensätzen kombinieren, die überwiegend vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg bereitgestellt werden. Erstens wollen wir zwei Datensätze verwenden (BeCovid und IAB-Betriebspanel), um zu analysieren, inwiefern finanziell restringierte und unrestringierte Firmen Kurzarbeit und andere Anpassungsmechanismen unterschiedlich stark nutzen. Die empirischen Ergebnisse werden als Referenzpunkt für ein Makro-Arbeitsmarktmodell mit Finanzfriktionen und Kurzarbeit dienen, das zur kontrafaktischen Analyse verwendet wird. In einem derartigen Modell könnte Kurzarbeit größere makroökonomische Effekte haben, da restringierte Firmen vor der Insolvenz gerettet werden. Zweitens wollen wir ein makroökonomisches Suchmodell mit einem privaten und einem öffentlichen Matching-Markt nutzen, um zu analysieren, wie die Hartz-Reformen die Reaktionen des Arbeitsmarktes auf aggregierte Schocks verändert haben. Zur quantitativen Fundierung verwenden wir Ergebnisse aus mikroökonomischen Datensätzen (z.B. Sozio-ökonomisches Panel, SOEP). Mittels kontrafaktischer Analysen wollen wir Aussagen treffen, welche Rolle Aktivierungspolitik und reformierte Arbeitsmarkt Institutionen (Hartz III), niedrigere Arbeitslosenunterstützungszahlungen (Hartz IV) und Kurzarbeit für die höhere Resilienz des Arbeitsmarktes spielen. Drittens wollen wir nichtlineare Anpassungen der Beschäftigung auf der Firmenebene mittels des Betriebshistorikpanels (BHP) analysieren. Wir wollen potentielle Treiber der nichtlinearen Anpassung identifizieren, z.B. finanzielle Beschränkungen oder unterschiedliche Lohnanpassungen über den Konjunkturzyklus auf der Firmenebene. Auf Basis dieser empirischen Einsichten wollen wir ein makroökonomisches Arbeitsmarktmodell konstruieren, um diese Nichtlinearitäten und deren Interaktion mit Kurzarbeit zu analysieren. Wir erwarten verbesserte Einsichten zur Kosten-Nutzen-Analyse von Kurzarbeit über den Konjunkturzyklus.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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