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Profisport im Globalen Süden: Rugby, Mobilität und fidschianische Sozialität

Antragsteller Dr. Dominik Schieder
Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568835150
 
Das Projekt untersucht das Zusammenwirken von professionellem Rugby, sportbedingter Mobilität und Sozialität in Fidschi. Rugby gilt in Fidschi als Nationalsport, den zu großen Teilen indigen-fidschianische Männer, eine wachsende Zahl indigen-fidschianischer Frauen sowie Bewohner*innen anderer ethnischer Zugehörigkeiten ausüben. Internationale Erfolge im Rugby, darunter zwei Olympiasiege, und die seit der Professionalisierung des Sports in den 1990er Jahren wachsende Präsenz fidschianischer Athleten in Rugbyligen des Globalen Nordens haben zur globalen Sichtbarkeit Fidschis beigetragen. Im Gegensatz zur bisherigen Forschung über fidschianisches Rugby und die damit verbundene Arbeitsmigration betrachtet das Projekt Fidschi nicht als Ursprungsort von Sportmobilität, sondern als Zielort von Athleten, die dort verbleiben, zurückkehren oder dort hinziehen. Ausgehend von dieser Perspektive stehen erstmals die soziokulturellen Dynamiken, die mit der Etablierung des Profirugbys in Fidschi selbst einhergehen, im Zentrum der Untersuchung. Das Projekt widmet sich fidschianischen Athleten und anderen Akteur*innen, die (in)direkt in das erste professionelle Rugbyfranchise Fidschis eingebunden sind und fragt, welche Konsequenzen sich daraus für Familien, Verwandtschaftsgruppen und Gemeinschaften ergeben. Es geht davon aus, dass Profisportstrukturen in Fidschi zwar prestigeträchtige Arbeitsplätze und ein Einkommen für Athleten, deren (erweiterte) Familien und für lokale Gemeinschaften schaffen, daraus aber auch soziale Reibungen und Ambivalenzen entstehen, die sich auf die weitgehend noch kommunal ausgerichtete indigen-fidschianische Sozialität auswirken. Ausgangspunkt des Projekts ist, dass Rugby als Amateursport seit seiner Einführung im späten 19. Jahrhundert zwar sukzessive indigenisiert wurde und heute eine entscheidende Triebkraft für Arbeitsemigration darstellt, die Präsenz des professionellen Rugbys in Fidschi jedoch im Kontext neoliberaler Sportökonomien und neuartiger Mobilitätsverläufe von Athleten erfolgt und hierdurch die indigen-fidschianische Sozialität auf vielfältige, (un)beabsichtigte und mitunter unvorhersehbare Weise prägen kann. Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel des Projekts darin, das Zusammenwirken von professionellem Rugby in Fidschi und emischen Konzepten, Diskursen und Praktiken von Familie, Verwandtschaft und Gemeinschaft zu erforschen. Methodologisch ist das Projekt als multilokale Ethnographie konzipiert und stützt sich dabei vorwiegend auf teilnehmende Beobachtung, Interviews und talanoa ("Geschichten erzählen"), eine in Ozeanien weit verbreitete Dialogform. Ausgehend vom fidschianischen Fall wird das Projekt zu einem besseren Verständnis der komplexen soziokulturellen Auswirkungen des Profisports und der Profisportmobilität in Gesellschaften des Globalen Südens beitragen, insbesondere solchen, die im Kontext globaler Sportmärkte gemeinhin als Herkunfts- und nicht als Zielorte von Sportmigration wahrgenommen werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Australien, Fidschi
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner Dr. Yoko Kanemasu; Dr. Victoria Stead; Professor Dr. Matt Tomlinson
 
 

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