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Waldlücken und Habitat-Spezialisten: Der Einfluss von Kronenöffnungen und Totholzmanagement auf Insektengemeinschaften

Antragstellerin Dr. Mareike Kortmann
Fachliche Zuordnung Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568934442
 
Zunehmende Baumsterblichkeit und Waldbewirtschaftung führen zu einer Verringerung des Kronendachs in Europa, was den Rückgang von Waldspezialisten und potenziell eine Destabilisierung des Ökosystems zur Folge haben kann. Insekten eignen sich ideal zur Untersuchung dieser Prozesse, da sie sensibel auf Veränderungen im Kronenschluss und die Verfügbarkeit von Totholz reagieren. Zwei zentrale Herausforderungen bestehen darin, erstens die Effekte von Kronenöffnungen und Totholzansammlung zu entflechten - da diese bei natürlichen Störungen gemeinsam auftreten, während Bewirtschaftungsmaßnahmen Totholz meist entfernen - und zweitens taxonomische Einschränkungen zu überwinden, da die Habitatpräferenzen vieler Insektenarten noch unbekannt sind. Diese Studie zielt darauf ab, einen umfassenden Katalog der Waldaffinitäten für Metabarcoding-Daten von Insekten zu erstellen, der ein breites Spektrum von Taxa abdeckt. Dafür werde ich Barcode-Index-Nummern (BINs) anhand von Malaise-Fallen- und Metabarcoding-Daten aus ganz Deutschland klassifizieren. Zu den wichtigsten Datensätzen gehören das Landklif-Projekt und das bundesweite Malaise-Fallen-Monitoring, das Wälder, Wiesen, landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen umfasst. Ergänzend werde ich Daten aus Waldschutzgebieten sowie Studien zu geschlossenen Wäldern und Wäldern mit natürlichen und künstlichen Lücken einbeziehen. Da diese Datensätze die vorherrschenden Landschaftstypen und Waldbedingungen in Deutschland abbilden, bieten sie eine solide Grundlage zur Analyse der Habitatpräferenzen von BINs. Durch eine unabhängige Klassifizierung außerhalb der Biodiversitätsexploratorien wird zudem eine robustere Bewertung mit geringeren standortspezifischen Verzerrungen gewährleistet. Neben der Waldaffinitäts-Klassifizierung werde ich die phylogenetische Vielfalt und Beta-Diversität von Insektengemeinschaften untersuchen, um tiefere Einblicke in die Stabilität von Ökosystemen zu gewinnen. Um Veränderungen in den Insektengemeinschaften zu erfassen, werde ich 2026 an 21 FOX-Standorten Malaise-Fallen einsetzen und DNA-Metabarcoding zur Artenbestimmung nutzen. Die resultierenden Daten werden mit einem standardisierten Workflow verarbeitet, der einen phylogenetischen Baum und eine um Sequenzierungsfehler bereinigte OTU-read-Frequenz-Tabelle erstellt. Ich werde analysieren, ob sich Insektengemeinschaften nach der Schaffung von Lücken in Richtung offener Lebensräume verschieben und ob die Entfernung von Totholz diesen Wandel verstärkt - insbesondere bei waldspezialisierten Arten. Das FOX-Experiment im Rahmen der Biodiversitätsexploratorien bietet hierfür den idealen Rahmen, da es die wichtigsten mitteleuropäischen Baumarten unter verschiedenen Bewirtschaftungsintensitäten umfasst und somit Ergebnisse mit hoher Übertragbarkeit ermöglicht. Zudem erstrecken sich die Studienstandorte über drei Regionen mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, wodurch eine breit gefächerte ökologische Perspektive gewährleistet wird.
DFG-Verfahren Infrastruktur-Schwerpunktprogramme
 
 

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