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Digitale (Re-)Infrastrukturierung von Forschungsmuseen: Beziehungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeiten im digitalen Wandel

Antragstellerin Claudia Göbel
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568992504
 
Das Projekt untersucht aktuelle Erweiterungen der Öffentlichkeit(en) von Wissenschaft, die sich im Zuge fortschreitender Digitalisierung herausbilden. Es geht der These nach, dass sich mit der Verbreitung digitaler Medien nicht nur kommunikative Oberflächen verändern, sondern auch die darunterliegende infrastrukturelle Ordnung der Beziehungen zwischen Wissenschaft und ihren Publika. Statt ein spezifisches Verständnis von Infrastrukturen zum Ausgangspunkt der Analyse zu machen, fragt das Projekt, wie und unter welchen Bedingungen bestimmte Praktiken etwas als Infrastruktur hervorbringen und welche Öffentlichkeitskonstruktionen damit einhergehen. Die digitale (Re-)Infrastrukturierung von Wissenschafts-Öffentlichkeits-Beziehungen wird am Fall von Forschungsmuseen untersucht. Als etablierte wissenschaftliche Sammlungs-Organisationen – die sowohl professionelle Wissenschaftler*innen als auch Laien und Amateure adressieren – fungieren Forschungsmuseen gleichsam als Seismographen für digitale Grenzverschiebungen und neue Ambivalenzen. Sie durchlaufen tiefgreifende Veränderungen: Objekte werden digitalisiert und online in verteilte Sammlungen eingebettet, ehemals verschlossene Depots werden zugänglich und Ausstellungen für Besuchende personalisiert. Dabei wachsen Forschungsmuseen über ihre bisherigen Grenzen hinaus, ihre traditionellen Aufgaben werden hinterfragt und ihre Publika neu bestimmt. Mit einem ethnographischen Forschungsansatz werden drei Fallstudien durchgeführt, um Praktiken der (Re-)Infrastrukturierung des Ausstellens (Leibniz-Zentrum für Archäologie Mainz), des Bewahrens (Museum für Naturkunde Berlin) und des Sammelns (Naturhistorisches Museum Wien) wissenschaftssoziologisch nachzuzeichnen. Drei zentrale Fragen leiten die Analyse: Erstens will das Projekt erkunden, wie durch den Einsatz digitaler Medien Versammlungsweisen, Zuschnitte und Beziehungen der internen und externen wissenschaftlichen Öffentlichkeiten von Forschungsmuseen neu justiert werden – etwa wenn Besuchende Ausstellungen co-kuratieren oder Sammlungen verschiedener Museen integriert werden. Das Projekt fragt zweitens, wie die Binnengrenzen zwischen Herstellung und Darstellung wissenschaftlichen Wissens neu verhandelt werden – etwa bei der Definition von Meta-Daten für digitale Objekte oder der Anreicherung von Ausstellungen mit interaktiven Virtual-Reality-Formaten. Drittens untersucht das Projekt, wie sich die organisationale Einbettung wissenschaftlicher Infrastrukturen durch digitale Mediatisierung verändert – etwa wenn Forschungsmuseen als Verwahrer wissenschaftlicher Objekte und als lokale Begegnungsräume mit Forschung auf neue Weise begründungsbedürftig werden. Die digitalen (Re-)Infrastrukturierungsprozesse an, von und durch Forschungsmuseen können damit als Umbauten ‚im Maschinenraum‘ der Wissenschaft betrachtet werden. In ihnen werden Bezugsgruppen und Formate der für wissenschaftliches Wissen konstitutiven Veröffentlichung neu spezifiziert und zueinander geordnet.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Österreich
Kooperationspartnerin Dr. Katrin Vohland
 
 

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