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Etwas aus sich machen. Ressourcen, soziale Mobilität und Biografie in Selbstformungsprozessen des 19. und 20. Jahrhunderts (TP 4)

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 539990504
 
Die Vorstellung, "etwas aus sich machen" zu können, ermöglichte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Formen der "Machbarkeit des Selbst" und war dabei Verheißung, Anforderung und Bedrohung zugleich. Mit den wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen dieser Zeit veränderten sich Vorstellungen zu sozialen Ordnungen und individuellen Biografien, somit also zu structure und agency. Vor dem Hintergrund dieser neuen Perspektive auf menschliche Lebenswege fragt dasv Projekt nach den konkreten Formen, Praktiken und Dimensionen des etwas-aus-sich-Machens als eines wirkmächtigen Denk- und Handlungszusammenhangs in der Langzeitperspektive von den 1850er bis zu den 1990er Jahren. Ziel des Teilprojekts ist es, dieses zentrale Paradigma moderner Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts erstmals zu erschließen und somit neue Perspektiven auf den Zusammenhang von sozialer Mobilität und Selbstformung zu eröffnen. Mit der Vorstellung des etwas-aus-sich-Machens gingen veränderte Formen der Selbstreflexion und -präsentation einher, um Anforderungen und Ergebnisse von Selbstformungsprozessen für sich und für andere sicht- und deutbar zu machen. Das Projekt fragt nach der Bedingtheit, den Voraussetzungen und Folgen der Machbarkeit des Selbst mit besonderer Aufmerksamkeit auf geschlechts-, generations- und schichtbedingte Ausprägungen. Der Fokus liegt auf medialen Konstellationen der Formung und Vermittlung des Selbst, die notwendige Elemente sowie Ergebnis dieses Prozesses sind und sich textlich, bildlich, dinglich-materiell und körperlich manifestierten. Damit gerät zum einen das Spannungsfeld von aktiver Selbstformung und gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen über die Ziele, Dimensionen und Ergebnisse des etwas-aus-sich-Machens in den Blick. Zum anderen wird nach den medialen Bedingungen der Konstituierung des Selbst gefragt. Zum dritten geht es darum, was unter den Bedingungen einer potenziell machbar gedachten Biografie als (materielle und immaterielle) Ressourcen galt, die der Selbstformung dienlich erschienen. Das Projekt geht diesen Fragen auf unterschiedlichen Ebenen nach. Die TP-Leiterin perspektiviert neuartige Vorstellungen von Lebenswegen, Gelegenheiten und Ressourcen der Selbstformung als Triebkraft gesellschaftlicher Transformation. Studie 1 (Postdoc) geht dem neu aufkommenden Topos der "Chance" zwischen den 1860er und 1960er Jahren nach, um den Wandel von Handlungsspielräumen und -präferenzen in der Gestaltung von Biografien zu zeigen; und Studie 2 (Promotionsprojekt) nimmt mit "Selfmade"-Männern und -Frauen in der Bundesrepublik eine konkrete Gruppe in ihren Möglichkeiten und Grenzen des "Etwas-aus-sich-Machens" in den Blick.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
 
 

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