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CHIRPS – der Zusammenhang zwischen Gesundheitsindikatoren, Ressourcen, Fortpflanzungserfolg und Klanglandschaften auf das Gesangsverhalten von Vögel in Relation zur Landnutzung
Antragstellerin
Dr. Laura Schille
Fachliche Zuordnung
Ökologie der Landnutzung
Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569058886
Die Veränderung der Landnutzung ist einer der Hauptgründe für den Rückgang der Vogelbiodiversität in Europa, insbesondere durch die Verringerung der Nahrungsressourcen. Arthropoden sind dabei besonders betroffen, wobei die Auswirkungen je nach Taxon variieren. Arthropoden sind während der Brutzeit eine Schlüsselressource für die meisten Vögel, selbst für nicht strikt insektenfressende Arten. Ein Rückgang ihrer Häufigkeit oder Qualität kann die Vogelgesundheit, die Nahrungsversorgung der Jungen und damit den Bruterfolg beeinträchtigen. In ressourcenarmen Umgebungen müssen Vögel zwischen Nahrungssuche und anderen Aktivitäten abwägen, was zu einem Zielkonflikt zwischen Futtersuche und Gesang führt, der tages- und jahreszeitlich schwankt. Das CHIRPS-Projekt nutzt Daten der Biodiversity Exploratories und einen automatisierten Algorithmus zur Erkennung von Vogelgesang, um zu testen, ob die zunehmende Intensität der Landnutzung und die abnehmende Verfügbarkeit von Arthropoden die Gesangsaktivität von Vögeln reduziert. Dieser Effekt dürfte tages- und saisonabhängig schwanken, mit verstärktem Gesang in der Morgendämmerung und vermehrter Nahrungssuche bei hohem Energiebedarf. Zudem untersucht CHIRPS, wie die Verfügbarkeit bestimmter Arthropodengruppen die Gesangsaktivität verschiedener Vogelgilden mit unterschiedlichen Ernährungsspezialisierungen beeinflusst. Um den Einfluss der Nahrungsverfügbarkeit von anderen Faktoren der Landnutzung trennen zu können umfasst CHIRPS ein Fütterungsexperiment in Wäldern mit unterschiedlicher Landnutzungsintensität. Als Modellart dient die Kohlmeise (Parus major). Mit Hilfe von Videoüberwachung der Nistkästen in Kombination mit akustischen Aufzeichnungen und einer Arthropoden-Stichprobe in den Bäumen soll untersucht werden, wie sich die Landnutzung sowie die Verfügbarkeit und Qualität der natürlichen Nahrung auf die Wahl der Nahrung (natürlich vs. ergänzt) auswirken. Außerdem wird analysiert, welchen Einfluss diese Faktoren auf den Gesang und den Bruterfolg haben. CHIRPS testet die Hypothese, dass Kohlmeisen in intensiv bewirtschafteten Wäldern aufgrund eines reduzierten Nahrungsangebotes vermehrt auf angebotene Zusatznahrung zurückgreifen. Weiterhin wird getestet, ob eine verringerte Verfügbarkeit von Arthropoden zu einer reduzierten Gesangsaktivität der Kohlmeisen führt (foraging-singing trade-off) und sich in einem verringerten Bruterfolg widerspiegelt (food limitation hypothesis). CHIRPS nutzt fortschrittliche ökoakustische Methoden, um Kohlmeisengesänge zu isolieren und akustische Merkmale wie Rhythmus, Dauer und Lautstärke zu quantifizieren. Es wird getestet, ob diese Merkmale ehrliche Signale des Gesundheitszustands sind und sich entsprechend im Bruterfolg widerspiegeln. Falls bestätigt, könnte ein prädiktives Modell entwickelt werden, um den Bruterfolg anhand von Gesangsmerkmalen vorherzusagen - ein innovativer, nicht-invasiver Ansatz zur Überwachung des Vogelzustands und der Reproduktion in verschiedenen Habitaten.
DFG-Verfahren
Infrastruktur-Schwerpunktprogramme
Teilprojekt zu
SPP 1374:
Biodiversitäts-Exploratorien
