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Können KI-Systeme wahrnehmen?

Antragsteller Dr. Daniel Mario Weger
Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569128824
 
Trotz des wachsenden philosophischen Interesses an künstlicher Intelligenz (KI) in den letzten Jahren hat die Frage, ob KI-Systeme wahrnehmen können, überraschend wenig Beachtung gefunden. Dabei ist die Beantwortung dieser Frage nicht nur für ein besseres Verständnis von KI-Systemen und des Begriffs der Wahrnehmung von zentraler Bedeutung, sondern sie hat auch erhebliche Implikationen für ethische, erkenntnistheoretische und handlungstheoretische Debatten in der Philosophie der KI. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, diese Lücke in der philosophischen Literatur zu schließen, indem es eine detaillierte und differenzierte Antwort auf die Frage gibt, ob KI-Systeme wahrnehmen können. Um diese Frage zu klären, liefert das Projekt zunächst eine umfassende Charakterisierung von Wahrnehmung. Zentral ist dabei die Unterscheidung zwischen einem engen Begriff der Wahrnehmung, der lediglich funktionale Aspekte wie Informationsverarbeitung und sensorische Diskriminationsfähigkeiten umfasst, und einem weiten Begriff der Wahrnehmung, der auch phänomenale und epistemische Aspekte wie subjektive Erfahrung und die Rechtfertigung von Überzeugungen miteinbezieht. Die Grundlage hierfür bildet ein interdisziplinärer Ansatz, der Erkenntnisse aus der Philosophie mit Befunden aus den empirischen Wissenschaften – insbesondere der Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft und Psychologie – verbindet. Im nächsten Schritt beschäftigt sich das Projekt genauer damit, was KI-Systeme sind, und erarbeitet eine wahrnehmungsbezogene Typologie von KI-Systemen. Darauf aufbauend bietet das Projekt dann eine detaillierte Analyse der Frage, welche KI-Systeme, wenn überhaupt, als wahrnehmend gelten können – und in welcher Hinsicht und in welchem Maße. Über die Klärung des Begriffs der Wahrnehmung und die Bewertung von KI-Systemen in dieser Hinsicht hinaus untersucht das Projekt auch die weitergehenden philosophischen Implikationen seiner Ergebnisse. Da Wahrnehmung eine paradigmatische Form bewusster Erfahrung ist und eine zentrale Rolle beim Erwerb von Wissen über die Umgebung und bei der aktiven Auseinandersetzung mit ihr spielt, wirft die Frage, ob KI-Systeme wahrnehmen können, drängende Fragen nach dem moralischen und epistemischen Status sowie der Handlungsfähigkeit solcher Systeme auf. Insgesamt leistet dieses Projekt einen Beitrag zu aktuellen Debatten in der Philosophie des Geistes und der Philosophie der KI und liefert zugleich eine fundierte begriffliche Grundlage für zukünftige Forschung zur KI-Wahrnehmung.
DFG-Verfahren WBP Stipendium
Internationaler Bezug Großbritannien
Gastgeberin Dr. Heather Logue
 
 

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