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Energie, Technologie und Ökologie: Britische Dampfschiffe in der Romantischen Literatur und Kultur

Antragstellerin Professorin Dr. Ute Berns
Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569284922
 
Diese Studie gilt dem literarischen Aufstieg des Dampfschiffs. Sie soll untersuchen, wie Boultons und Watts optimierte Dampfmaschine – und damit einhergehende Transformationen – in der Epoche der britischen Romantik, die historisch als bedeutende Phase des Anthropozäns/ Kapitalozäns verstanden wird, in der Literatur imaginiert und dargestellt wurde. Die Dampfmaschine, im Englischen auch als „Feuer-“ oder „Atmosphärenmaschine“ bezeichnet, wird dabei als Schnittstelle materieller Umwandlungen chemischer und mechanischer Kräfte/Energien aufgefasst, die zu gewaltigen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Transformationen führten. Mit Blick auf den Eintritt der Welt in ein fossiles Zeitalter wird die geplante Monographie den historischen Moment untersuchen, an dem die Dampfmaschine erstmals die Stätten des Bergbaus und der Industrieproduktion verließ und durch die Umgestaltung des Transportwesens vollständig in das öffentliche Leben und das breite öffentliche Bewusstsein eintrat. Dieser Eintritt der Dampfmaschine in die alltägliche Infrastruktur nahm ursprünglich die Form des Dampfschiffs an, das die Wasserwege eroberte; etwa 20 Jahre bevor der regelmäßige Verkehr öffentlicher Eisenbahnen in Großbritannien einsetzte. Das Forschungsprojekt wird untersuchen, wie das fossilbetriebene Schiff und die mit ihm einhergehenden Veränderungen durch Texte von kanonischen (S.T. Coleridge, William Wordsworth) als auch weniger bekannten Autoren und Autorinnen (Joanna Baillie u.a.) erfasst wurden. Genauer beleuchtet wird, wie die ästhetisch-kritische Modellierung des Dampfschiffs und seiner fossilen Energie imaginativ mit proto-ökologischen und sozio-politischen Diskursen und Praktiken verwoben wurde. Dabei zeigt die Studie auch auf, wie die Ästhetik der Romantik über unterschiedliche Gattungen hinweg an einer Revision zeitgenössischer Energiekonzepte mitwirkte und Haltungen zur Dampftechnologie im Alltag prägte. Anhand des Dampfschiffs als einer Ikone der fossilen Moderne erkundet die Monographie die Wechselbeziehungen zwischen Technik- und Naturgeschichte, wie sie in der britischen Literatur der Zeit verhandelt wurden. Damit soll die interdisziplinäre Studie zum literarischen Aufstieg des Dampfschiffs eine entscheidende Forschungslücke in einer Epoche schließen, die für ihre "Hinwendung zur Natur" gefeiert wird. Zugleich wirbt die Monographie für einen engeren Austausch zwischen Romantikforschung, Science and Technology Studies sowie den Energy and Environmental Humanities.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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