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Paul Melissus Schede und die neulateinische Pindarische Ode: multiple Publikationspraxis und die Entwicklung einer Dichtungsform in der europäischen res publica litterarum der Frühen Neuzeit

Fachliche Zuordnung Griechische und Lateinische Philologie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569299872
 
Das Forschungsprojekt (Monographie und Workshop) versteht sich als eine paradigmatische Analyse zu Innovationsprozessen in der frühneuzeitlichen Literatur. Dieses Ziel soll am Beispiel der Entwicklung der neulateinischen Pindarischen Ode in der 2. Hälfte des 16. und am Beginn des 17. Jh.s innerhalb des französischen und des deutschen Kulturraums erreicht werden. Einen Schlüssel hierzu bietet die in dieser Zeit gängige multiple Publikationspraxis. Im Fokus stehen die 34 Pindarischen Oden des Paul Melissus Schede, deren Bedeutung für die Transformation der Gattung erklärt werden soll. Charakteristisch für den Dichter ist die Ausweitung der Verwendung dieser Hymnen auf bis dahin ungewohnte Bereiche. Wie ein beachtlicher Teil der Lyrik in der Frühen Neuzeit entsteht die Mehrzahl seiner Oden anlassgebunden, und so erfahren zahlreiche Gedichte ihre Erstpublikation im Rahmen von Kasualdrucken. Später können die Werke aus ihrem ursprünglichen Editionszusammenhang herausgelöst und in Gedichtsammlungen eingebunden werden. Dabei schaffen neue Kontexte neue Bedeutungen. In der systematischen Zusammenstellung dienen die Texte nun der Darstellung des poetischen Programms des Autors. Von der mehrfachen Veröffentlichung geht eine innovationsbeschleunigende Wirkung aus: Auf der einen Seite erzwingen die Notwendigkeiten der Gelegenheitsdichtung die Anpassung an neue äußere Anforderungen und fördern so die Weiterentwicklung der poetischen Praxis. Je nachdem beeinflusst der politische, der familiäre, der religiöse oder irgendein anderer Anlass die literarische Gestaltung. Nicht weniger bedeutsam ist auf der anderen Seite die Aufnahme dieser Werke in eine Gedichtsammlung, wodurch die neuen Varianten der Dichtungsform ihre Kanonisierung erfahren. Ferner wird die Scharnierfunktion der Pindarischen Oden Schedes in den kulturellen Transferprozessen zwischen der neulateinischen und der nationalsprachlichen sowie zwischen der französischen und der deutschen Literatur deutlich. Persönliche Netzwerke innerhalb der Gelehrtenrepublik bezeugen, dass Melissus an zwei Punkten in intensivem Austausch mit Vertretern der volkssprachlichen Literaturen stand: Zum einen mit der französischen Dichtergruppe der Pléiade während eines Aufenthalts in Paris, zum anderen mit deutschen Autoren, die sich in Heidelberg um ihn sammelten. In Frankreich konnte bei der Berührung mit der nationalsprachlichen und der neulateinischen Dichtungspraxis sowie dem poetologischen Diskurs das dort sich etablierende Pindarbild auf ihn einwirken. Diese Prägung konnte er erweitert um seine eigenen Neuerungen wiederum an die deutsche Literatur in Latein und Volkssprache weitergeben. Es zeichnet sich ein reziprokes Verhältnis ab: Die sich rasch formierende nationalsprachliche Literatur bewirkt in der neulateinischen eine Emanzipation von klassischen Modellen, die neulateinische Dichtung führt ihrerseits infolge der weiter entwickelten Publikationspraxis zu Innovationen auch in der volkssprachlichen Literatur.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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