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Polarisierungen: Koloniales othering und postkoloniale Reflexivität in der italienischen Literatur

Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569425952
 
Das beantragte Projekt "Polarisierungen: Koloniales othering und postkoloniale Reflexivität in der italienischen Literatur" wird die Rolle fiktionaler Texte hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Strukturierungspotenziale am Beispiel von kolonialem und postkolonialem othering untersuchen. Othering wird hier verstanden als gruppenspezifische Alterisierung im Sinne asymmetrisierender und marginalisierender Zuschreibungspraktiken. Mit der kognitiven Bedeutung von Fiktionalität als einem der 'ways of worldmaking' stehen damit Formen und Funktionen von Erzählungen für gesellschaftliche Weltdeutungsroutinen im Fokus. Diese werden zum einen am Beispiel von Erzähltexten mit Kolonialismusbezug analysiert, die zwischen 1900 und 1943 publiziert wurden, sowie zum anderen anhand von nach 1989 entstandenen Migrationsnarrationen, die mit Referenzen auf den italienischen Kolonialismus arbeiten. Das Projekt nimmt dabei die Darstellung von Ausgrenzungsmarkierungen nicht-autochthoner Menschen in Kolonial- und Migrationskontexten in den Blick, weil über das Erzählen von othering nachvollziehbar wird, welche kolonial anordnenden und kodierenden bzw. postkolonial moderierenden und reflexiv-pointierenden Potenziale Erzähltexte für die kognitive Dynamisierung gesellschaftlicher Selbstverständigung besitzen. Das Projekt geht dabei diachron vor (italienischer Kolonialismus bis 1943 / Immigration nach Italien seit 1989), um die jeweils literarisierten Modi von othering unter kolonialen sowie postkolonialen Vorzeichen exemplarisch zu untersuchen und, da politisch diametral motiviert, aufeinander zu beziehen. Im Zentrum stehen dabei neben Rassismen insbesondere gegenderte Zuschreibungspraktiken, die in der Regel über sexualisierte Markierungen operieren: Adressiert wird jeweils der Körper der VerAnderten, um besonders effektiv devalorisierende Differenzierungen in Szene zu setzen. Ausgangspunkt der Überlegungen ist, dass in aktuellen Migrationserzählungen hinsichtlich konkreter Ausgrenzungserfahrungen nicht selten ein expliziter Bezug zur italienischen Kolonialzeit hergestellt und damit eine Kontinuität zwischen migrationsinduziertem sowie kolonialem othering suggeriert bzw. beklagt wird. Aus diesem Grunde fokussiert das Projekt, neben dezidiert postkolonialen Migrationsnarrationen, die auf den italienischen Kolonialismus referieren, insbesondere bis 1943 entstandene literarische Erzählungen mit Kolonialbezug, die programmatische Positionierungen des polarisierenden (prä-)faschistischen Kolonialismus in kanonische Erzählmuster übersetzen, dabei asymmetrisierende Zuschreibungen ästhetisch inszenieren und dergestalt epistemische Gewalt manifestieren. Ziel ist es, über die Analyse der unterschiedlich ‚geladenen‘ und ‚verpackten‘ Modi des othering in kolonialen und postkolonialen Erzähltexten hierarchisierende oder moderierende politische Potenziale von Erzählliteratur in ihrer literarischen ‚Gemachtheit‘ genauer zu beschreiben.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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