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Heilen / Vernichten: Eine Untersuchung körperlicher Verschiebungen in Medizin und Militär innerhalb aufkommender Cyberwelten

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Soziologische Theorie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569872194
 
Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, zu untersuchen, wie durch die Gestaltung und Nutzung von Cybertechnologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Künstlicher Intelligenz (KI) körperliche Verschiebungen in Medizin und Militärpraxis entstehen und wie diese Verschiebungen ambivalente Materialitäten bewirken. Aufbauend auf klassischen und zeitgenössischen Ansätzen der Phänomenologie, der Soziologie des Körpers und der Technik sowie der Science and Technology Studies (STS) analysiert die Studie, wie diese Ambivalenz zur Herausbildung neuartiger Verkörperungsmodi an der Schnittstelle von Fakten und Artefakten beiträgt, unter Berücksichtigung einer doppelten Nutzung dieser Technologien: zu heilen / zu vernichten. In diesem Zusammenhang zielt das Projekt darauf ab, die Ressourcen zu untersuchen, die in Prozessen mobilisiert werden, in denen Körperlichkeit durch AR, VR und KI allmählich aufgelöst, verschoben oder erfahrungsmäßig umgeortet wird. Es soll ein neues Verständnis dafür entwickelt werden, wie durch diese Cybertechnologien die Geschichte(n) der Sinnlichkeit und ihre damit verbundene phänomenologische Spezifizität in Gesundheits- und Militärlandschaften neu gestaltet werden. Die Untersuchung fragt zudem, ob sich durch AR, VR und KI neue Körperkonzepte und Erfahrungen herausbilden, und ob digital definierte Formen von Verwundbarkeit zwischen Krieg und Gesundheit zirkulieren. Da die durch Cybertechnologien verursachten Verschiebungen von Sinnen und Fähigkeiten zukünftige Möglichkeiten leiblichen Seins prägen und mit Prozessen der Bio-Objektivierung in den untersuchten Bereichen verknüpft sein können, stellt sich zentrale Fragen dieser Forschung: Können „Leiber“ solchen Transformationen widerstehen? Lassen sie sich möglicherweise auf spezifische Entfremdungsprozesse ein, die eine Kategorisierung neuer phänomenologischer Dimensionen ermöglichen? Oft wird dabei leibkörperliche Expertise durch die Ausbreitung digitaler Surrogatformen infrage gestellt. Daher ist ein tieferes Verständnis dafür erforderlich, wie ExpertInnen und NutzerInnen von Cybertechnologien in Medizin und Militär Bedeutungen von Leiblichkeit und deren phänomenologische Repertoires aushandeln. Um die Spannungen, Polarisierungen, Risiken und Verwundbarkeitspotentiale zu analysieren, die diese neuartigen „Körperlandschaften“ definieren, basiert das Forschungsvorhaben auf umfangreicher qualitativer Feldforschung. Diese beinhaltet fokussierte und multi-situierte Ethnografie, digitale Ethnographie und Ethnografie der Sinne sowie Leitfadeninterviews mit NutzerInnen und ExpertInnen. Durch die Auseinandersetzung mit diesen bislang wenig erforschten Bereichen möchte die Studie einen Beitrag zur Soziologie des Körpers und der Technik leisten – mit besonderer Aufmerksamkeit auf entstehenden sinnlichen Regimes und deren spezifischen phänomenologischen Dimensionen in medizinischen und militärischen Kontexten.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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