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Erinnerungsfehler: Prozedurale Erinnerungen und mehr

Antragsteller Urim Retkoceri, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569936982
 
Die moderne Gedächtnisforschung hat gezeigt, dass Erinnerungen nicht einfach Kopien der Vergangenheit sind. Stattdessen werden, jedes Mal, wenn man etwas erinnert, Erinnerungen immer wieder neu und anders rekonstruiert. Doch wenn Erinnerungen jedes Mal anders sind, was unterscheidet genuine von falschen Erinnerungen? Parallel dazu gilt es nun auch als gesichert, dass es verschiedene Arten der Erinnerungen gibt. Grob unterscheidet man deklarative Erinnerungen (z.B. Erinnerung an einen Fahrradausflug) und nicht-deklarative Erinnerungen (praktisch ausdrückbar z.B. Fahrradfahren an sich). Diese Pluralität der Erinnerungsformen bleibt in der heutigen philosophischen Analyse von Erinnerungen fast gänzlich unberücksichtigt. In diesem Forschungsvorhaben wird die Schnittstelle zwischen falschen Erinnerungen und nicht-deklarativen Erinnerungen untersucht und somit verschiedene Arten von Erinnerungsfehlern unterschieden. Erkenntnisse daraus werden dann auf diverse Anwendungsgebiete und die aktuelle Debatte der deklarativen Erinnerung übertragen. Ziel ist damit die systematische Analyse von Erinnerungsfehlern. Schritt 1: Fehler prozeduraler Erinnerungen. Heutige philosophische Theorien der Erinnerungen lassen sich nicht ohne Weiteres auf prozedurale Erinnerungen (eine Untergruppe der nicht-deklarativen Erinnerungen) anwenden. Deswegen wird hier zuerst eine Theorie unterschiedlicher prozeduraler Erinnerungsfehler entworfen. In der Philosophie werden dadurch Forschungsmöglichkeiten zu anderen nicht-deklarativen Erinnerungsformen aufgezeigt. In der Psychologie werden so Forschungsparadigmen (z.B. die Interferenztheorie) auf konzeptioneller Ebene verbessert. Schließlich werden damit praktische Anwendung in verschiedenen Gebieten (wie etwa der Maschinenkonstruktion) verbessert. Schritt 2: Fehler affektiver Erinnerungen. Die in Schritt 1 entwickelte Theorie wird die Grundlage für eine Beschreibung emotionaler Erinnerungsfehler sein. Erinnerungen für Emotionen sind aufgrund von Gemeinsamkeiten zu prozeduralen Erinnerungen für so eine Erweiterung naheliegend und gewinnbringend. Durch diesen Ansatz werden neue Sichtweisen auf, und damit Therapieansätze für, psychiatrische Störungen aufgezeigt, die durch eine dysfunktionale Interaktion zwischen Emotionen und Erinnerungen gekennzeichnet sind (wie etwa die posttraumatischen Belastungsstörung). Schritt 3: Was lässt sich daraus über deklarative Erinnerungen lernen? Im letzten Schritt werden die Erkenntnisse aus den ersten beiden Schritten auf deklarative Erinnerungsformen und Erinnerungsfehler angewandt. Auf diese Weise werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen nicht-deklarativen und deklarativen Erinnerungsformen aufgezeigt. Das ermöglicht zu zeigen, dass Erinnerungsfehler dadurch charakterisiert sind, dass entweder etwas unbeabsichtigtes richtig erinnert wird oder die Meinung über eine vermeintliche Erinnerung fehlerhaft ist. Somit werden neue Impulse für die heutige Philosophie der Erinnerungen geschaffen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Frankreich
 
 

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