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Figurationen des Singer-Songwriters in digital-algorithmischen Medienkulturen

Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570165952
 
Das Projekt untersucht Prozesse der Aktualisierung und Diversifizierung der Singer-Songwriter-Figur unter Bedingungen der sog. digitalen Transformation. Es geht dabei von dem Befund aus, dass die Singer-Songwriter-Figur zwar seit etwa einem halben Jahrhundert in der globalen Popmusikszene allgegenwärtig ist, seit den 2010er Jahren allerdings sehr deutlich an medialer Präsenz dazu gewonnen hat: Musiker*innen wie Ed Sheeran und Taylor Swift nutzen die Figur als Bezugspunkt für Inszenierungen, aber auch in der ästhetischen und/oder weltanschaulichen Positionierung von Künstler*innen jenseits des Folkrock/pop-Paradigmas (etwa im HipHop) wird sie vermehrt als Referenz in Anspruch genommen. Dieses aktualisierende und diversifizierende ‚Revival‘ der Singer-Songwriter-Figur, so die These des Projekts, ist in besonderem Maße durch die Proliferation digital-algorithmischer Medientechnologien in der Produktion, Verbreitung und Rezeption populärer Musik bedingt. Denn deren Versprechen von Teilhabe sowie von Nähe und Intimität treten mit dem der Singer-Songwriter-Figur traditionell anhaftenden Authentizitätsversprechen in wechselseitige Resonanz. Das Projekt befragt diese These, indem es die diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken der Figuration des Singer-Songwriters in ausgewählten medialen Konstellationen – von crowd-basierten Patronagestrukturen (z.B. Patreon) über ‚digitale Lagerfeuer‘ (etwa bei TikTok) als Orte virtueller Vergemeinschaftung hin zur Debatte um KI-Songwriting (z.B. im Falle des ‚letzten‘ Beatles-Songs) – in den Blick nimmt. Es arbeitet also heraus, wie genau jemand – und wer überhaupt – von wem und unter welchen Bedingungen zum Singer-Songwriter gemacht wird, wie diese/r als solche/r in unterschiedlichen medialen Konstellationen in Erscheinung tritt, beglaubigt und bewertet wird, und welche potentiellen (identitätspolitischen, ökonomischen, ästhetischen, …) Effekte und Funktionen damit einhergehen. Damit zeigt das Projekt auf, wie die Singer-Songwriter-Figur durch medientechnologische Transformationen im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen neu bewertet, anders positioniert und angeeignet wird bzw. werden kann. Es erarbeitet so nicht nur Bausteine einer Genealogie der Singer-Songwriter-Figur und ergänzt damit den bisher eher historisch oder genretheoretisch ausgerichteten Forschungsdiskurs, sondern trägt zudem auf einer übergeordneten, konzeptionell-theoretischen Ebene zu einer differenzierteren Analyse und Beschreibung von Figurationsprozessen in digital-algorithmischen Medienkulturen bei.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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