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Toxisches Schweigen in den Internationale Beziehungen
Antragsteller
Dr. Lunting Wu
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570426572
Wenn Diplomatie im Kern auf Kommunikation beruht–wie kann Schweigen kommunizieren? Toxisches Schweigen ist ein allgegenwärtiges Phänomen in zwischenmenschlichen, sozialen und zwischenstaatlichen Beziehungen. Während die Rolle des Schweigens in der Politikwissenschaft zunehmend Beachtung findet, bleiben Einsatz und Wirkung von toxischem Schweigen auf zwischenstaatlicher Ebene bislang unzureichend erforscht. Das Fehlen einer systematischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit toxischem Schweigen zwischen Staaten stellt eine gravierende Lücke im Fach dar. Staaten, die in Konflikte verwickelt sind, verweigern oder unterbrechen häufig die Kommunikation als diplomatisches Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen–etwa um Ergebnisse zu beeinflussen, Unzufriedenheit auszudrücken, Druck in Verhandlungen auszuüben oder einen Gegner verdeckt zu bestrafen, ohne eine übermäßige Eskalation zu riskieren. Beispiele hierfür sind: Pekings 1,5-jährige Aussetzung der militärischen Kommunikation mit den USA nach dem Besuch der damaligen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi in Taiwan; Pjöngjangs wiederholte Unterbrechung der innerkoreanischen Hotlines; sowie Chinas diplomatischer Stillstand gegenüber der britischen Regierung unter David Cameron nach dessen Treffen mit dem Dalai Lama. Dieses Projekt greift auf Ansätze aus den Kritischen Sicherheitsstudien, der Außenpolitikanalyse und der politischen Psychologie zurück, um mehrere zentrale Fragestellungen zu bearbeiten: 1. Warum wird toxisches Schweigen zwischen Staaten eingesetzt? Welche Ziele und Bedeutungen hat es in unterschiedlichen sozio-kulturellen Kontexten? 2. Welche Auswirkungen hat toxisches Schweigen auf internationalen Frieden und Sicherheit? 3.Wie wird es angewendet - als isolierte Maßnahme oder in Kombination mit Sanktionen oder militärischen Provokationen? Welche Kosten sind mit der Unterbrechung von Kommunikationskanälen verbunden? 4. Inwieweit ist toxisches Schweigen wirksam bei der Erreichung der angestrebten Ziele? 5. Welche Dynamiken führen zur Aufhebung von toxischem Schweigen und zur Wiederaufnahme der Kommunikation? 6. Wie wird toxisches Schweigen von staatlichen Vertreter*innen erlebt? Angesichts der Mehrdeutigkeit von Schweigen stützt sich dieses Projekt auf qualitative Forschungsmethoden: (Meta-)Diskursanalyse, Experteninterviews, phänomenologische Analyse und vergleichende Fallstudien. Aufbauend auf meinem kommenden Artikel in International Affairs (Juni 2025), "Ghosting Diplomacy: China’s Silent Treatment amidst Great Power Competition", zielt das Projekt auf vier Fachartikel in führenden Journals und eine Monografie. Ergänzend plane ich Gastbeiträge in Onlinemedien, um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Die Forschung ist relevant für Sicherheits- und Diplomatiestudien sowie für die außenpolitische Praxis und bildet den Auftakt zu einem größeren Projekt über verdeckte Aggression in den Internationalen Beziehungen mit Aussicht auf zukünftige Drittmittelfinanzierung.
DFG-Verfahren
WBP Stelle
