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Blumenbeete in der Stadt für die Zukunft transformieren: nachhaltige Nutzung und Schutz von Bestäubern
Antragstellerinnen
Professorin Dr. Monika Egerer; Ulrike Sturm
Fachliche Zuordnung
Ökologie und Biodiversität der Pflanzen und Ökosysteme
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570639017
Angesichts des weltweiten Rückgangs der Bestäuber in den letzten zwei Jahrzehnten haben aktuelle Studien gezeigt, dass Grünflächen in Städten als Rückzugsorte für Bestäuber dienen könnten. Zierpflanzen können zwar verschiedene Bestäuber anziehen, brauchen aber viel Wasser und kommen mit dem Wärmeinseleffekt und dem Klimawandel vielleicht nicht so gut klar. In europäischen Städten sind die Pflanzenarten in den Katalogen oft ähnlich, auch wenn die Städte ganz unterschiedliche klimatische Bedingungen haben, und es wird eher auf den optischen Reiz als auf die Vorteile für die Biodiversität geachtet. Deshalb ist eine Änderung der Pflanzenpflege dringend nötig, bei der alle Beteiligten, von Gärtnern bis zu Bürgern, mitreden. Unser Projekt sucht nach kreativen und robusten Blumenbeeten der Zukunft, die Trockenheit gut vertragen, für Bestäuber attraktiv sind, von den Leuten gemocht werden und nachhaltig gepflegt werden können, um die Artenvielfalt in der Stadt zu schützen. Konkret wollen wir herausfinden: 1. Welche quantitativen Blütenmerkmale weisen zukünftige Blumenbeete im Vergleich zu denen unter „Business as usual“ (BaU) auf? 2. Wie attraktiv sind zukünftige Blumenbeete für Bestäuber? 3. Welche Auswirkungen hat Trockenheit auf Blumenbeete? 4. Auf welche Änderungen der Praktiken können sich alle Beteiligten einigen? 5. Wie können wir zukünftige Blumenbeete mit einem Multikriterienansatz bewerten? Dazu führen wir Experimente in öffentlichen Grünflächen von neun europäischen Städten (Frankreich, Spanien, Schweiz, Deutschland) durch, die drei bioklimatische Regionen repräsentieren. Im ersten Jahr wählen wir 10 Pflanzenarten für BaU- und zukünftige Blumenbeete aus, basierend auf ihren ökologischen Anforderungen pro bioklimatischer Region, wiederholten Umfragen mit Interessengruppen und der Attraktivität der Pflanzen für Bestäuber. An jedem Standort werden ein BaU-Blumenbeet und ein zukünftiges Blumenbeet mit zwei Behandlungsvarianten angelegt: Kontrolle und Trockenheit. Für alle Arten werden wir im zweiten Projektjahr verschiedene Blütenmerkmale messen: Blütenhöhe, Blütenfläche, Anzahl der Blüteenheiten, Nektartubentiefe, Antherenausdehnung, Nektarzuckerkonzentration und Gesamtpollenvolumen. Wir werden die Pflanzen-Bestäuber Interaktionen mit neuen nicht-letalen Protokollen und mit Bürgerwissenschaft beobachten. Wir werden die Wahrnehmung von Menschen in Bezug auf die zukünftigen Blumenbeete, deren Umsetzung und Pflege mit einem sozialwissenschaftlichen Ansatz ermitteln. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden wir das Potenzial jeder Pflanzenart als Option für Blumenbeete anhand einer multikriteriellen Entscheidungsfindung bewerten. Wir erwarten, dass unser Projekt einen Paradigmenwechsel in der Stadtgestaltung einleiten wird, indem es sich von der traditionellen Fokussierung auf die von Menschen bevorzugte visuelle Ästhetik wegbewegt hin zu einem funktionalen Ansatz, der die Biodiversität fördert und sich an zukünftige Klimabedingungen anpasst.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Frankreich, Schweiz, Spanien
Partnerorganisation
Agence Nationale de la Recherche / The French National Research Agency; Agencia Estatal de Investigación; Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professorin Isabelle Dajoz; Dr. Magali Deschamps-Cottin; Dr. Nathalie Escaravage; Professorin Dr. Nina Hautekèete; Professorin Dr. Ainhoa Magrach; Dr. Alice Michelot-Antalik; Professor Dr. Patrice Prunier
