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Familienmahlzeiten im sozialen Kontext: Soziale Einflüsse auf Essenspräferenzen und -entscheidungen im zeitlichen Verlauf (FAMEALY)
Antragstellerinnen / Antragsteller
Professor Dr. Florian Keusch; Professorin Dr. Jutta Mata
Fachliche Zuordnung
Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570900209
Gesundheitsverhalten gehört zu den wichtigsten Einflussfaktoren für Morbidität und Mortalität und wird wesentlich durch die Dynamik des sozialen Kontexts geprägt. Die Forschung zu Ernährung hat sich bislang überwiegend auf individuelle Faktoren konzentriert und dabei soziale Akteur*innen und Dynamiken oft vernachlässigt. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Gesundheitsverhalten im sozialen Kontext am Beispiel gemeinsamer Familienmahlzeiten zu untersuchen – mit Essen als zentralem Gesundheitsverhalten und Familie als relevantem sozialen Umfeld. Essen ist für die Gesundheit von Mensch und Umwelt essenziell. Ungesunde Ernährung ist ein größeres Gesundheitsrisiko als ungeschützter Sex, Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum zusammen. Gleichzeitig hat die Lebensmittelauswahl entscheidenden Einfluss auf den Klimawandels: Die globale Nahrungsmittelproduktion gilt als größte Bedrohung für die natürlichen Ökosysteme. Das unterstreicht, wie wichtig neue Ernährungsansätze sind. Familien sind ein besonders geeigneter sozialer Kontext, um Essverhalten zu untersuchen. In Deutschland essen über 99 % der Kinder regelmäßig mit ihren Familien. Während Kinder in der Forschung lange als passiv angesehen wurden, zeigen beispielsweise „Parents for Future“ als Antwort auf eine Jugendbewegung, dass sie durchaus Einfluss auf das Verhalten ihrer Eltern nehmen können. Besonders interessant ist das vor dem Hintergrund veränderter Ernährungsgewohnheiten: Über 20 % der 14- bis 19-Jährigen in Deutschland ernähren sich vegetarisch oder vegan – bei ihren Eltern sind es nur 8 %. Wie Jugendliche die Entscheidungen über Familienmahlzeiten – und damit auch die Ernährung ihrer Eltern – konkret mitprägen, ist bislang kaum erforscht. Ziel der geplanten Studien ist es, die zugrunde liegenden sozialen Dynamiken von Familienmahlzeiten und die Entwicklung von Essenspräferenzen über die Zeit hinweg besser zu verstehen. Konkrete Forschungsziele sind (1) Entscheidungsprozesse rund um fleischbezogene Ernährung in Familien untersuchen, (2) psychologische und soziale Mechanismen identifizieren, die diese Entscheidungen prägen, (3) Veränderungen individueller und gemeinsamer fleischbezogener Essenspräferenzen und gemeinsamer Mahlzeiten über die Zeit analysieren sowie (4) neue Methoden aus Psychologie, Social Data Science und Künstlicher Intelligenz integrieren – darunter Laborstudien, Experience Sampling, Argument Mining mit Large Language Modellen und akustische Sensorenmessung für Alltagserhebungen. Die Ergebnisse sollen helfen, bestehende Theorien zum sozialen Einfluss auf Gesundheitsverhalten weiter zu entwickeln und beschreiben, wie sich Familienmitglieder gegenseitig beeinflussen. Zudem sollen sie einen methodischen Beitrag leisten, um soziale Dynamiken in alltagsnahen Kontexten besser messbar zu machen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Mitverantwortlich
Professor Dr. Heiner Stuckenschmidt
