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Immanuel Kant: Metaphysik der Sitten Vigilantius Historisch-kritische Ausgabe
Antragstellerin
Sara Di Giulio, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Praktische Philosophie
Geschichte der Philosophie
Geschichte der Philosophie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570906127
Immanuel Kant: Metaphysik der Sitten Vigilantius. Historisch-kritische Ausgabe. Die „Metaphysik der Sitten Vigilantius“ ist die letzte Moralvorlesung Kants und eine einzigartige Vorschau (Louden 2015: 87) auf die 1797 erscheinende „Metaphysik der Sitten“. Die Vorlesung erweist sich folglich als unter zweierlei Gesichtspunkten besonders wichtig, auf welche bereits Lehmann (1979: 1045) aufmerksam gemacht hat: Die Vigilantius stellt die „Endgestalt der Ethikvorlesung“ (ebd.) und somit auch den Höhepunkt von Kants Auseinandersetzung mit Baumgarten dar, dessen „Initia“ und „Ethica“ er für die gesamte Dauer seiner akademischen Tätigkeit als Kompendien für sein Moralkolleg verwandte. Zudem ist diese Vorlesung aufgrund der auffälligen inhaltlichen Übereinstimmungen mit der „Metaphysik der Sitten“ „von größter Bedeutung für die Schrift von 1797“ (ebd.) und insofern ein unverzichtbares Hilfsmittel zu deren gründlichem Verständnis. Die Vigilantius-Nachschrift ist daher ein Dokument von außerordentlicher Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte von Kants Denkens und ein tieferes Verständnis von dessen Spätwerk vor dem Hintergrund seines historisch-philosophischen Kontexts. Dennoch erweist sich Lehmanns Referenzausgabe als wissenschaftlich unzulänglich und in erheblichem Maße obsolet. Besonders auffallend bei Lehmanns Editionstext in der Akademie-Ausgabe (Bd. 27.2.1, 11975; Bd. 27.2.2, 11979) sind seine philologischen Schwächen sowie der kursorische Umgang mit Baumgarten als Kants primärem Gesprächspartner. Eine Diskussion der thematischen Schwerpunkte fehlt fast gänzlich, die sporadischen Verweise auf Sekundärliteratur sind inzwischen notwendigerweise veraltet. Das beantragte Projekt zielt darauf ab, eine historisch-kritische Ausgabe von Kants letzter Moralvorlesung zu erstellen, die die erwähnten Unzulänglichkeiten behebt und den Text in einer völlig neuen editorischen Form wiedergibt. Der Editionstext in der Akademie-Ausgabe wird anhand des Vergleichs mit der in Göttingen aufbewahrten Kopie des Originalmanuskripts emendiert und um eine Angabe der Referenzstellen in den von Kant verwendeten Lehrbüchern ergänzt. Ein reichhaltiger Kommentar beleuchtet die wichtigsten Berührungspunkte der Vorlesung mit der „Metaphysik der Sitten“ einerseits und Baumgartens Kompendien andererseits. Dabei wird auf einschlägige Parallelstellen und ergänzende Passagen aus weiteren Vorlesungen, Reflexionen und Druckschriften Kants verwiesen. Überdies werden weite Abschnitte der Einleitung zum Band der näheren Untersuchung zentraler Themen von Kants Spätwerk gewidmet, zu deren gründlichen Erforschung die Vigilantius einen entscheidenden Beitrag liefert. Die beantragte Neuedition der „Metaphysik der Sitten Vigilantius“ soll voraussichtlich in der Akademie-Ausgabe der Schriften Kants erscheinen. Das Editionsprojekt wird am Seminar für Philosophie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
