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Keramikkonsum und Hellenistische Globalisierung Bottom-up

Antragsteller Dr. Frerich Schön
Fachliche Zuordnung Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570925442
 
Das Projekt untersucht die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen während der hellenistischen Zeit (330–30 v. Chr.), indem es die aktive Herstellung von Lokalität in urbanisierten ländlichen Räumen des Mediterraneums in den Fokus rückt. Aufbauend auf Appadurais Lokalitätstheorie wird ein triadisches Modell entwickelt, das das spezifisch Lokale als Zusammenspiel von Kosmopolitismus, Traditionalismus und Regionalismus versteht. Damit wird ein Gegenmodell zu top-down Ansätzen geschaffen, die ländliche Gemeinschaften als passive Empfänger globaler Einflüsse betrachten, und stattdessen deren gestaltende Rolle für die materielle Kulturen und Identitäten betont. Zentrale Hypothese ist, dass Muster im Konsum von Keramik diskursive materielle Regime widerspiegeln und Hinweise darauf geben, wie ländliche Akteure mit Globalisierungsdynamiken umgingen. Ziele sind (1) die Weiterentwicklung eines Werkzeugs Pottery Consumption Profile (PCP) als quantitatives Mittel zur Analyse kulturell eingebetteter Praktiken, sowie (2) dessen Anwendung zur empirischen Untersuchung von Lokalität an vier hellenistischen Fundorten innerhalb eines vergleichenden Rahmens: Monte Iato, Lousoi, Cossyra und Pompeji. Das PCP-Werkzeug kombiniert Daten aus stratigraphischer Grabung, digitaler Quantifizierung und sozialtopographischer Kontextualisierung. Diese Daten werden in Diagramme übersetzt, die das Zusammenspiel von Kosmopolitismus, Traditionalismus und Regionalismus sichtbar machen. Durch Radardiagramme werden Konsumprofile visualisiert und durch hermeneutische Multi-Fallstudien validiert. Stättenübergreifende Vergleiche unterstützen die schrittweise Verbesserung der Datenmodellierung und des theoretischen Ansatzes. Jede Fallstudie kombiniert neue Ausgrabungen mit der Neuauswertung älterer Daten und einer hochauflösende Kontextualisierung, um Veränderungen im Konsum von Keramik und räumlicher Praktiken nachzuverfolgen. Erstmals wird ein diagrammbasiertes, diskurstheoretisch fundiertes Instrument zur Analyse hellenistischer Keramikassemblagen in unterschiedlichen Regionen entwickelt. Durch die Ansprache von Keramik als Ausdruck identitätsstiftender Diskurse liefert das Projekt einen innovativen Zugang zur Erforschung antiker Globalisierung „bottom-up“. Die vielschichtige Methodik ermöglicht differenzierte Einblicke in ländliche Handlungsstrukturen, indem sie über herkömmliche elitenzentrierte Narrative hinausgeht und neue vergleichende Perspektiven in die Archäologie des Mittelmeerraumes einbringt. Zum Team gehören Expert:innen für Keramikanalyse, Digital Humanities und hellenistische Archäologie. Dieses interdisziplinäre Konsortium verbindet langjährige Grabungserfahrung mit methodischer und theoretischer Innovation.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Griechenland, Österreich, Schweiz
 
 

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