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Strategien im Umgang mit Wasserknappheit auf den Kanarischen Inseln und im globalen Vergleich, 1500–1800
Antragstellerin
Dr. Laura Dierksmeier
Fachliche Zuordnung
Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570926335
Das Projekt untersucht, wie frühneuzeitliche Inselgesellschaften auf Wasserknappheit reagierten. Es verbindet Island Studies, Umwelt- und Kolonialgeschichte, um zu analysieren, wie Wassermangel soziale Hierarchien, religiöse Praktiken, Arbeitsregime, sanitäre Infrastrukturen und Umweltwissen prägte. Obwohl heutige Wasserkrisen das Interesse an kostengünstigen, ‘low tech’ Wasserpraktiken verstärkten, gibt es bislang nur wenige historische Fallstudien – insbesondere über Inseln. Diese Forschungslücke soll durch eine Untersuchung gemeindebasierter Strategien auf den Kanarischen Inseln, einer der trockensten Regionen Europas, im Zeitraum von ca. 1500 bis 1800 geschlossen werden. Auf Inseln gibt es nur wenig Grundwasservorkommen, salzhaltiges Wasser und kaum Flüsse. Vulkaneinseln wie die Kanaren sind zusätzlich belastet: Steile Hänge beschleunigen den Abfluss, vulkanische Aktivität verunreinigt das Süßwasser und dünne Böden erschweren die Wasserspeicherung. Menschliche Eingriffe verschärften diese Umweltprobleme. Wasserintensive Monokulturen (Zuckerrohr, Wein), eingeführt durch ausländische Investoren, veränderten die Landschaft gravierend. Extreme Ungleichheiten im Wasserbesitz kamen hinzu: Mitte des 16. Jh. kontrollierten vier Männer –señores de agua (Wasserherren) – 80 % der Wasserressourcen Teneriffas. Angesichts dessen suchten lokale Gemeinschaften nach Alternativen. Die Kanarischen Inseln verfügen daher über eine lange und gut dokumentierbare Geschichte innovativer Anpassungsstrategien im Umgang mit Wasserknappheit. Das Projekt leistet fünf zentrale Beiträge: 1.) zeigt es auf, wie Wasserknappheit die Ungleichheit der Arbeitslasten verschärfte – insbesondere für Frauen, Kinder und versklavte Personen, die für das Beschaffen und Reinigen von Wasser zuständig waren. 2.) rekonstruiert es, wie wasserbezogenes Wissen erzeugt, überliefert und ungeformt wurde. 3.) zeigt es, wie religiöse Praktiken sowohl als spirituelle Reaktionen auf Dürre als auch als soziale Mechanismen zur Bewältigung von Umweltstress funktionierten. 4.) analysiert es die Auswirkungen von Wasserknappheit auf Hygiene und Ernährung, vor allem in marginalisierten Bevölkerungsgruppen. 5.) identifiziert das Projekt, welche Reaktionen lokal spezifisch waren und welche sich auch in anderen Insel- oder in trockenen Festlandregionen beobachten lassen, um ein vergleichendes Verständnis von Anpassungsstrategien zu ermöglichen. Die Studie folgt dem Ansatz der globalen Mikrogeschichte und vergleicht die Kanaren mit anderen atlantischen Inseln (Madeira, Kapverden, Azoren, Karibik) sowie trockenen Festlandregionen (Iberische Halbinsel, Nordafrika). Auf der Grundlage umfangreicher Archivarbeiten wird eine wissenschaftliche Monografie mit dem Titel “Responses to Freshwater Scarcity on the Canary Islands with Global Comparisons, 1500–1800” entstehen. Das Projekt unterstützt zudem aktuelle Initiativen wie die UNESCO ‘Community of Practice for Ancestral Hydrotechnologies’.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
