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Regimewechsel und Kulturwandel – der Übergang von mittanischer zu mittelassyrischer Herrschaft in Nordmesopotamien. Untersuchungen am Beispiel der Stadt Kemune/Zaḫiku

Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 571373775
 
Das Projekt widmet sich der Untersuchung des Regimewechsels und des damit verbundenen Kulturwandels in der Zeit des 14. und frühen 13. Jh. v. Chr. in Nordmesopotamien. Es handelt sich um einen sehr dynamischen Zeitabschnitt, in dem das zerfallende Mittani-Reich vom mittelassyrischen Staat als stärkster Regionalmacht abgelöst wird. Dies markiert den Übergang zwischen zwei sehr unterschiedlichen politischen Systemen und Gesellschaftsformen. Fokus der Untersuchung ist das nördliche Mitteltigrisgebiet (Nordirak), da dieses geografisch exakt zwischen den Kernregionen der beiden genannten Großreiche liegt. Es kann somit als Kontaktzone angesehen werden, in der verschiedene gesellschaftliche Traditionen und politische Interessen aufeinandertrafen. Das Quellenmaterial für die geplante Untersuchung stammt aus dem am Mittleren Tigris gelegenen Fundort Kemune, der mittanischen Stadt Zaḫiku. Hier wurden wichtige archäologische Befunde sowohl der spätmittanischen als auch der frühmittelassyrischen Zeit ausgegraben. Es ist somit einer der wenigen Orte, an denen der direkte Übergang zwischen beiden Perioden erforscht werden kann. Die mittanische Stadt mit massiven Stadtbefestigungen, einem Palast, einem großen Magazingebäude und einem industriellen Bereich wurde großflächig freigelegt; aus mittelassyrischer Zeit stammt das Haus eines Bürgermeisters mit einem Zerstörungsinventar, welches ein Tontafel-Archiv in fünf Keramikgefäßen einschloss. Höchst bedeutsam ist, dass in Kemune Keilschrifttexte aus beiden relevanten Perioden gefunden wurden. Mittanische Texte stammen aus dem Palast, quantitativ sticht aber vor allem das frühmittelassyrische Archiv mit 262 Texten aus der Zeit des Königs Adad-nērārī I. (1295–1264 v. Chr.) heraus. Die bereits erfolgte Ausgrabung der mittanischen Stadt von Kemune und der zeitlich anschließenden frühmittelassyrischen Siedlung sowie die Entdeckung gut kontextualisierter Texte aus der spätmittanischen und der frühmittelassyrischen Zeit bieten die einmalige Chance, die kulturelle, politische und soziale Entwicklung der Region mittels einer kombinierten archäologischen und philologischen Analyse an der genannten Epochenschwelle nachzuzeichnen. Das Projekt ist daher interdisziplinär konzipiert, bestehend aus einer archäologischen Arbeitsgruppe an der Universität Freiburg (PI: Ivana Puljiz) und einer philologischen Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg (PI: Betina Faist). Beide Gruppen widmen sich komplementären Aspekten der materiellen Kultur, der Lebensbedingungen, der Ökonomie, der politischen Struktur und der Gesellschaftsform einer Stadt während der Transitionsphase zwischen zwei unterschiedlichen politischen Systemen. Die daraus entstehende Synthese wird dazu beitragen, eine große Forschungslücke mit vielfältigen neuen Erkenntnissen zu schließen und darüber hinaus auch generelle Einsichten in Prozesse des Kulturwandels, die Rolle von Kontaktzonen und die Auswirkungen großflächiger politischer Verschiebungen zu liefern.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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