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Thron und Nation. Figurationen der France in frühneuzeitlichen Berichten über die entrée royale

Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 571461099
 
In dem vorliegenden Projekt werden Figurationen des Nationalen im Frankreich der Frühen Neuzeit erforscht, und zwar am Beispiel der entrée royale, dem Einzug des Königs in Paris oder in eine Stadt der Provinz. Die entrée royale wurde bislang ausschließlich von Seiten der Geschichtswissenschaft untersucht, der es um die genaue Rekonstruktion der historischen Abläufe geht. Was bei diesem notwendigen, aber nicht hinreichenden Ansatz fehlt, das ist die ästhetische-literarische Dimension der post festum von Dichtern oder Hofschriftstellern publizierten Entrée-Berichte. Aus der hier neu gewählten literaturwissenschaftlichen Perspektive wird postuliert, dass in solchen literarischen Berichten über die entrée eine imaginierte Königsnation Gestalt annahm, die sich weniger im begrifflichen Denken als vielmehr in der ästhetischen Darstellung von erzählten Körperbildern manifestierte. Ganz gleich, ob sich das gemeinschaftsbildende Symbol der France als tanzende Gallia, als Herkules, als stillende alma mater oder als mater dolorosa manifestiert, entscheidend für die Genese einer imaginierten Nation ist, dass es sich um ein narratives Konstrukt mit performativem Anstrich handelt. Im Mittelpunkt der historisch-systematischen Rekonstruktion der narrativen und performativen Makro- und Mikrostrukturen von Entrée-Berichten stehen dabei Aspekte der Nationenbildung, die sich als einschlägige Figurationen in Narrativen, Allegorien, Metaphern, Erzählungen, Mythen und Bildern auskristallisieren. Ziel des Projekts ist es demzufolge, die im Erzählbericht der Textsorte entrée angelegten literalen und allegorischen Darstellungen mit den Mitteln der Narratologie, der Rhetorik und Theorien des Performativen zu analysieren. Darüber hinaus wird am Beispiel der Elisabeth von Österreich auch der bislang nicht erforschte Einzug der Königin berücksichtigt – eine Pilotstudie, die mit Sicherheit Anschlussprojekte anregen wird. Ein eminentes Desiderat ist schließlich die Erforschung von komisch-grotesken Darstellungen fürstlicher Einzüge, die parallel zu den offiziellen Berichten entstehen und letztere parasitär in Dienst nehmen. Es handelt sich um Konterdiskurse, die auf der Basis jüngerer Theorien zum Komischen, zum Grotesken und zur satirischen Schreibweise analysiert werden, ein Teilziel, das ebenfalls Anschlussforschung auslösen wird, nicht zuletzt im Hinblick auf intertextuell ausgerichtete literarische Texte in der Moderne.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich(e) Dr. Lisa Zeller
 
 

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