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Eine nurmehr koloniale Wissenschaft? Soziologie in arabischen Zeitschriften (1885 bis 1952).
Antragsteller
Professor Dr. Florian Zemmin
Fachliche Zuordnung
Islamwissenschaft, Arabistik, Semitistik
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 571523041
Die koloniale Prägung der Soziologie wird zunehmend kritisch herausgestellt. Diese Kritik sollte aber noch stärker mit einer historiographischen Rekonstruktion der Formation der Soziologie in verschiedenen regionalen, kulturellen und sprachlichen Kontexten einhergehen. Dabei sind sowohl koloniale Einflüsse, als auch lokale Interessen und Prägungen zu berücksichtigen. In arabischen Ländern sind zumindest die Meilensteine der institutionellen Entwicklung der Soziologie bekannt. Kaum erforscht sind hingegen Rezeptionen und Konzeptionen von Soziologie in der arabischen Öffentlichkeit, die der institutionellen Entwicklung vorausgingen bzw. deren Anfänge begleiteten. Öffentliche arabische Beiträge zur Soziologie verweisen nicht zuletzt unter dem Vorzeichen sozialer Fragen und durch ihre kulturellen Rahmungen auf lokale Motivationen und Ausgestaltungen soziologischer Perspektiven. Unter diesen Annahmen, widmet sich dieses Projekt der Rezeption europäischer Soziologie und der Formation lokaler soziologischer Perspektiven in einschlägigen arabischen Zeitschriften von 1885 bis 1952. Auf der ersten Analyseebene werden dabei explizite Rezeptionen und Konzeptionen der Soziologie als wissenschaftlicher Disziplin (ʿilm al-iǧtimāʿ, sūsiyūlūǧiyyā) in den Blick genommen. In einem zweiten Schritt werden in den ertragreichsten Publikationen soziale/soziologische Perspektiven, Fragen, Studien und Akteure analysiert (adressiert z.B, als al-ittiǧāh al-iǧtimāʿī, al-masʾala al-iǧtimāʿiyya; al-baḥṯ al-iǧtimāʿī; al-kātib al-iǧtimāʿī). Darauf aufbauend wird herausgearbeitet, zu welchen Wissensbeständen Soziologie kritisch oder affirmativ in Bezug gesetzt wurde. Bei den so ermittelten lokalen Ausgestaltungen der Soziologie ist auch von Interesse, inwiefern diese unterschiedliche Epistemologien und/oder epistemische Gemeinschaften reflektieren (z.B. arabisch, islamisch, säkular). Durch seine historiographische Rekonstruktion des Aufkommens der Soziologie in arabischen Zeitschriften spricht das Projekt konstruktiv zu gegenwärtigen post-kolonialen Kritiken am Eurozentrismus der Soziologie und bereichert durch den Fokus auf die bislang nur konturenhaft behandelte arabische Soziologie ebenso unsere Kenntnis über die intellektuelle arabische Öffentlichkeit und Wissenslandschaft.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
