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Transnationale Identitäten auf der Schiene des Simplon-Orient-Express (1920-1940)
Antragstellerin
Dr. Charlotte Rottiers, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 571815986
Transnationale Verkehrsnetze spielten im zwanzigsten Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der technologischen, wirtschaftlichen und politischen Vernetzung Europas. Ihre kulturellen Auswirkungen auf die Gestaltung gemeinsamer Identitäten über Grenzen hinweg in der Zwischenkriegszeit sind jedoch wenig erforscht. Dieses Projekt untersucht, wie kollektive Identitäten durch materielle Kultur und Architektur entlang eines solchen Netzwerks ausgedrückt und ausgetauscht wurden: dem Simplon-Orient-Express (1920-1940). Es entwickelt einen neuen interdisziplinären Ansatz, um den Transfer kollektive Identitäten durch technologische Installationen zu untersuchen. Der Simplon-Orient-Express war die südliche Strecke der Zugverbindung Paris-Istanbul, die mit der Eröffnung des Simplontunnels (1920) zwischen der Schweiz und Italien in Betrieb genommen wurde. Diese gut dokumentierte Zugstrecke war berühmt für ihre luxuriösen Wagen der ersten Klasse, die den Reisenden der Elite ein hohes Maß an Komfort und Service boten. In den Zwischenkriegsjahren wurden die zweite und dritte Klasse eingeführt. Im Zuge des Zusammenbruchs von Imperien und der Gründung neuer Nationen entwickelten sich Städte wie Triest, Zagreb, Belgrad und Niš zu neuen Zentren von regionaler und internationaler Bedeutung. Dieses Projekt legt nahe, dass sich die Mitglieder der lokalen Oberklassen in diesen Städten als Teil einer breiteren europäischen, kosmopolitischen Bourgeoisie sahen, anstatt sich ausschließlich an lokale Identitäten und Prozessen der Nationenbildung zu orientieren. Sie nutzten Begriffe wie technologische Innovation, Komfort und Luxus sowie ihren Zugang zu exklusiven Reise- und Freizeiträumen, um ihren Status auszudrücken. Diese Forschung konzentriert sich nicht auf Privathäuser, sondern auf semi-öffentliche Räume, in denen lokale Eliten und internationale Reisende in Kontakt kamen. Diese Innenräume dienten als Orte der Soziabilität, Vernetzung und Selbstdarstellung. Um einen transnationalen Ansatz zu verfolgen, werden zwei Gruppen halböffentlicher Räume entlang des Mobilitätsnetzes miteinander kombiniert: (1) Hotelinfrastruktur, Kaffeehäuser und Restaurants an ausgewählten Haltestellen entlang der Bahnstrecke (Triest, Zagreb, Belgrad, Niš) und (2) die Wagen des Simplon-Orient-Express, z. B. die Schlafwagen, Restaurant- und Salonwagen. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer Methode für die Forschung wie Identitäten über Grenzen hinweg durch die gebaute Umwelt und mobile Infrastrukturen übertragen werden, insbesondere wie feste und bewegliche Räume sowie aktive und schlafende Räume zusammenwirken, um Identitäten zu übertragen. Das Projekt zeigt (1), wie Technologie und Design eingesetzt wurden, um Exklusivität und Identität in Innenräumen zu vermitteln, und (2) bietet durch seinen Fokus auf kulturelle Identität und die Balkan-Gemeinschaften eine neue Perspektive auf die Rolle von Innovation in Technik und Technologie bei der Integration Europas.
DFG-Verfahren
Stelle
