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Aristotelische Tugend und Glückseligkeit im neuplatonischen Gewand: Die philosophische Ethikkonzeption des Albertus Magnus in Ethica.

Antragstellerin Dr. Aurelia Maruggi
Fachliche Zuordnung Geschichte der Philosophie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572017842
 
Albertus Magnus leitet mit Super Ethica und Ethica eine neue Etappe der philosophischen Interpretation von Aristoteles’ Nikomachischen Ethik (=EN) in der lateinisch-christlichen Welt des 13. Jhd. ein. Mit diesen ersten vollständigen lateinischen Kommentaren zur EN legt Albert die aristotelische Ethik nicht nur überzeugend aus, sondern schreibt sie kommentierend kreativ fort: Er begründet die Ethik als eigenständige und philosophische Disziplin und baut neue Verbindungen zwischen Ethik, Kosmologie und Noetik auf. Diese philosophische Ethik nimmt vor allem in Ethica deutliche Gestalt an: Im Unterschied zum stark hermeneutisch orientierten ersten Literalkommentar präsentiert sich die Ethica als Alberts philosophisches Projekt die EN verstärkt im Gespräch mit dem griechischen Neuplatonismus und der arabischen Philosophie auf neue Fundamente stellen zu wollen. Die Tugenden und die Glückseligkeit bilden zwei Bausteine des albertinisches Projekts: Albert revidiert inhaltlich ihre ursprüngliche aristotelische Bedeutung, klassifiziert und definiert sie neu und bestimmt ein enges Verhältnis der politischen zur kontemplativen Glückseligkeit. Dabei nehmen die heroischen Tugenden eine Schlüsselfunktion für die Erreichung der höchsten intellektuellen Glückseligkeit, die in der Selbsterkenntnis des erworbenen Intellekts besteht. Hauptziel dieses Postdoc-Projekts ist es, die Bedeutung des griechischen Neuplatonismus für Alberts Tugend und Glückseligkeitslehre in Ethica zu untersuchen. Albert begründet – so eine zentrale Leithypothese – eine vom Neuplatonismus stark inspirierte philosophische Ethikkonzeption, die die griechische und arabische Philosophie einbezieht, hinterfragt und neu überdenkt. Der Einfluss des griechischen Neuplatonismus in Ethica soll mit Blick auf drei Themensäulen beleuchtet werden: die Tugenden und ihre Verbindung zur kontemplativen Glückseligkeit; das Verhältnis der politischen zur kontemplativen Glückseligkeit; die (neu-)platonische Lehre der Selbsterkenntnis der Seele als Rückwendung zu sich selbst. Diese dritte Thematik fasst die Fragen nach der Verbindung zwischen Ethik und Noetik und der Stellung der Ethik als Wissenschaft im philosophischen Curriculum in innovativer Weise neu. Die Erschließung von Alberts neuplatonisch-geprägte philosophische Ethik soll in zwei eng miteinander verbundenen Projektteilen realisiert werden: Die philosophiehistorischen Ergebnisse werden durch eine Reihe von Artikeln zu den Büchern I, VI, VII, IX und X der Ethica erhellt, die in internationalen Fachzeitschriften auf Englisch veröffentlicht werden. Inhaltlich steht die Frage im Vordergrund, wie Albert die aristotelische Tugend und Glücksethik durch den griechischen Neuplatonismus neu interpretiert und in Kombination mit der arabischen Philosophie transformiert. Der philologische Projektteil besteht in der Vorbereitung eines zuverlässigen lateinischen Textes der relevanten Passagen in Ethica.
DFG-Verfahren WBP Stelle
 
 

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