Detailseite
Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit
Antragsteller
Professor Dr. Rolf van Dick; Professor Dr. Michael Kosfeld
Fachliche Zuordnung
Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572227523
Die beantragte Kolleg-Forschungsgruppe an der Goethe-Universität Frankfurt zielt darauf ab, die Forschung zur identitätsbasierten Führung (Identity Leadership) als gruppenorientierten Ansatz zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wie Polarisierung, Krisen und Klimawandel voranzutreiben. Dieser auf der Theorie sozialer Identität basierende Ansatz untersucht, wie Führungskräfte gemeinsame Identitäten fördern, um Kooperation, Wohlbefinden und Resilienz auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene zu stärken. Drei Hauptziele leiten die Arbeit: Erstens die konzeptionelle Weiterentwicklung, indem Lücken wie mögliche negative Aspekte (z.B. Instrumentalisierung durch populistische Führungskräfte) adressiert und interdisziplinäre Perspektiven aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften integriert werden. Zweitens methodische Innovation durch den Einsatz großangelegter kulturvergleichender Studien mit emischen Komponenten und Verhaltensexperimente (z.B. mit der Behavioral Measurement Toolbox), die über Selbstauskünfte hinausgehen. Drittens die Gewährleistung praktischer Relevanz durch Untersuchungen in Bereichen wie psychische Gesundheit, Klimaschutz und digitalen Arbeitswelten, mit Anwendungsbezügen für Organisationen und Entscheidungsträger. Bisherige Arbeiten der Antragsteller bilden eine solide Grundlage: In der Psychologie validierte van Dicks Team den Identity Leadership Inventory im globalen GILD-Netzwerk und zeigte Zusammenhänge mit Innovation, Vertrauen und reduzierter Erschöpfung. COVID-19-Studien belegten den Einfluss identitätsstiftender Führung auf Pandemieverhalten. In den Wirtschaftswissenschaften demonstrierten Kosfelds Experimente, wie geteilte „Missionsidentität“ Kooperation fördert, während Feldstudien die Bedeutung prosozialer Führung für kollektive Ergebnisse belegten. Aktuelle Arbeiten zeigen zudem, wie Gruppenidentität Polarisierung im sozialen Lernen verstärken kann. Die Struktur des Kollegs umfasst ein Fellowship-Programm mit Rudolf Kerschreiter und Alex Haslam als permanenten Fellows, 20 weiteren Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Jahresworkshops, zweijährliche Konferenzen und ein wöchentliches Zentrumsforum fördern den interdisziplinären Austausch. Zwei Postdoc-Stellen, eine W1TT-Professur und gezielte Nachwuchsförderung (50% der Fellows) sichern den wissenschaftlichen Nachwuchs. Eingebettet in Frankfurts Forschungslandschaft – darunter das Center for Leadership and Behavior in Organizations (CLBO) und das Frankfurt Laboratory for Experimental Economic Research (FLEX) – plant das Zentrum in einer zweiten Phase die Erweiterung um Themen wie KI, Digitalisierung und demografischen Wandel, einschließlich randomisierter Führungstrainings. Durch die Brückenfunktion zwischen Psychologie und Wirtschaftswissenschaften strebt das Zentrum eine Neukonzeption von Führung für eine polarisierte Welt an, mit evidenzbasierten Instrumenten zum Aufbau kohäsiver Gesellschaften.
DFG-Verfahren
Kolleg-Forschungsgruppen
