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Die geschlechtsspezifische Gedächtniskonsolidierung sozialer Stimuli im Schlaf

Antragsteller Dr. Anuck Sawangjit
Fachliche Zuordnung Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572243859
 
Adaptives Verhalten in komplexen Umgebungen erfordert Wissen aus verschiedenen Stimulusdomänen. Obwohl der Verarbeitung sozialer und nicht-sozialrer Stimuli sehr unterschiedliche neuronale Netzwerke zugrunde liegen, repräsentieren Erinnerungen bezüglich beider Stimulusdomänen episodisches Gedächtnis, insofern episodische Erinnerungen diese beiden Arten von Stimuli als spezifische Ereignisse integrieren können. Schlaf verstärkt die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten, einen Prozess, bei dem frisch gelernte Information sich verfestigt, insbesondere im hippocampusabhängigen episodischen Gedächtnissystem. Allerdings ist bisher unklar, wie das Gehirn während des Schlafs gleichzeitig soziale und nicht-soziale Gedächtnisinhalte verarbeitet. Ebenso wurde in der bisher Gedächtnisforschung die Untersuchung von Geschlechtsunterschieden weitgehend vernachlässigt, obwohl es zunehmende Hinweise dafür gibt, dass Frauen Erinnerungen anders als Männer verarbeiten. Vor diesem Hintergrund zielt mein Projekt darauf ab, am Rattenmodell die Gedächtnisbildung im Schlaf für soziale und nicht-soziale Stimuli direkt zu vergleichen und dabei mögliche Geschlechtsunterschiede aufzuklären. Die grundlegende Hypothese ist, dass Schlaf die Konsolidierung sowohl sozialer als auch nicht-sozialer Stimuli nur dann unterstützt, wenn diese in einem zeit-räumlichen episodischen Kontext integriert sind (episodisches Gedächtnis). D.h. Schlaf fördert die Konsolidierung solcher Stimuli nicht unabhängig vom episodischen Kontext, in dem sie ursprünglich erlebt wurden. Des Weiteren nehme ich an, dass der Gedächtniseffekt des Schlafs durch im Tiefschlaf in je verschiedenen Subregionen des Hippocampus (CA2 - soziale Stimuli, CA1 - nicht-soziale Stimuli) verstärkt auftretende Schlaf-Spindeln und Ripples vermittelt wird. Schließlich nehme ich an, dass sich weibliche und männliche Tiere hinsichtlich der Konsolidierung kontextunabhängiger und -abhängiger episodischer Inhalte insbesondere für soziale Stimuli unterscheiden. Für die Testung dieser Hypothesen werde ich Aufgaben entwickeln, bei denen soziale und nicht-soziale Stimuli kombiniert präsentiert werden. Darüber hinaus werden neurophysiologische und molekulare, zytogenetische Messungen durchgeführt, um die der Konsolidierung zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen zu erfassen. Insbesondere sollen in Einzelzellableitungen sowohl im Hippocampus als auch im Neokortex neuronale Ensembles identifiziert werden, die die jeweiligen sozialen und nicht-sozialen Stimuli enkodieren. Die gewonnenen Einsichten in geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bildung sozialer und nicht-sozialer Erinnerungen sollen für die Entwicklung translationaler Behandlungsansätze genutzt werden, und insbesondere für die Behandlung bei Erkrankungen, die mit sozialen Störungen einhergehen und die hinsichtlich ihrer Prävalenz klare Geschlechtsunterschiede aufweisen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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