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Alternative Ökonomien und die sozial-ökologische Transformation: Das Beispiel Agri-Food Genossenschaften
Antragstellerin
Professorin Dr. Marit Rosol
Fachliche Zuordnung
Humangeographie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572249301
Das vorherrschende Agrar- und Lebensmittelsystem ist wichtiger Treiber und Opfer des Anthropozäns. Ein grundlegender Wandel des Ernährungssystems hin zu einer gesunden Ernährung auf Grundlage nachhaltiger Agri-Food-Systeme ist notwendig, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und das Pariser Klimaabkommen zu erreichen. Die Frage, wie ökologisch regenerative Lebensmittelsysteme innerhalb der planetarischen Grenzen geschaffen werden können, die gesunde und für alle zugängliche Lebensmittel erzeugen und gleichzeitig den Erzeuger:innen und anderen Akteuren in der Wertschöpfungskette eine Existenzgrundlage bieten, bleibt bisher jedoch ungelöst. Auf der Suche nach alternativen Wirtschaftsstrukturen, die den notwendigen sozial-ökologischen Umbau des Ernährungssystems unterstützen könnten, sind Genossenschaften von besonderem Interesse. Genossenschaften sind Wirtschaftsunternehmen, die demokratisch organisiert und dem Wohl ihrer Mitglieder verpflichtet sind. Als solche können sie anderen Zielen als der Gewinnmaximierung Vorrang einräumen. Neben ihrem Potenzial, Einkommen zu sichern und skalierbare Lösungen anzubieten, werden sie häufig auch als stärker in der Region verankert dargestellt. Genossenschaften sind somit zwar sehr vielversprechend, jedoch scheinen sie auch zu den bestehenden Problemen im Agrar- und Ernährungssektor beizutragen: Große, etablierte Genossenschaften, vor allem im Verarbeitungs- und Einzelhandelssektor, haben eine oligopolistische Marktstellung erlangt. Sie werden wegen ihrer Demokratiedefizite und einer Erosion genossenschaftlicher Werte kritisiert. In der Diskussion über alternative Lebensmittelsysteme in der (Wirtschafts-)Geographie werden Genossenschaften bislang vernachlässigt. Das übergeordnete Ziel dieses Projekts ist es, die Errungenschaften und das Potenzial von Genossenschaften sowie ihre Grenzen durch konzeptionelle Arbeit und eine genaue empirische Untersuchung zu ermitteln. Konkret werden im Rahmen eines qualitativen Fallstudienansatzes Genossenschaften verschiedenen Alters und Größe in den verschiedenen Phasen der Wertschöpfung in Unterfranken in Bayern analysiert. Neben der Frage, inwieweit Genossenschaften durch ihr werte- und mitgliederorientiertes Geschäftsmodell einen besonderen Beitrag zu einer sozial-ökologischen Transformation leisten können, werden auch ihre regionale Einbettung und räumliche Dynamiken untersucht. Theoretisch orientiert sich das Projekt an: (1) Geschichte und Theorie des Genossenschaftswesens; (2) (Wirtschafts-)Geographien alternativer Ernährung; (3) kritische Agrarstudien und (geographische) Debatten zu Wertschöpfungsketten; und (4) sozial-ökologische Transformation, just transition und Degrowth-Ökonomien. Durch die Kombination dieser Ansätze wird das Projekt nicht nur neue empirische Erkenntnisse hervorbringen, sondern auch die theoretischen Debatten auf eine neue Stufe heben, insbesondere in der (Wirtschafts-)Geographie, aber auch in den Transformations- und Agrarstudien.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
